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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

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besten Wagen, Ägina fertigte vor allem Klein- undGalanteriewaren, Salben und anderes. Von besondererBedeutung sind die Tonwaren geworden... In allengrößeren Plätzen der griechischen Welt hat sich eine heimi-sche Tonwarenindustrie mit einem lokalen Dekorationsstilentwickelt, die sich auswärtige Absatzgebiete zu erobernsuchte, so in Äolis, lonien, Rhodos, Kyrene; die Führungaber hatten Chalkis und Korinth, die ganz Italien und Sizi-lien mit Tongefäßen versorgten, bis seit dem Anfang des6. Jahrhunderts Athen immer mächtiger in die Konkurrenzeinzugreifen und durch die Überlegenheit seiner Ware denälteren Rivalen ein Absatzgebiet nach dem andern zu ent-reißen anfing_ Eingeführt wurden Rohstoffe aller

Art, ferner Sklaven, Industrieprodukte aus demOrient, Rohkupfer aus Italien , eherne Schalen,Waffen und Gegenstände des Hausrats aus Etrurien ;der wichtigste Einfuhrartikel aber war Getreide 1 ).

Das hatte drittens zu tiefgreifender Veränderungder Verhältnisse der homerischen Zeit geführt, vor allem inden Arbeitsverhältnissen. Wie ich schon oben be-tont habe, hat es in dieser wohl einzelne Sklaven und Skla-vinnen in den Häusern der Reichen, aber einen eigentlichenSklavenhandel noch nicht gegeben. Herodot und Timäossprechen von einer Zeit, wo die Hellenen noch keine Sklarven besaßen 2 ). Die im Handel zuerst hervortretendengriechischen Kolonien in Asien haben, begünstigt durch diereichliche Sklavenzufuhr aus den nahen Barbarenländern,zuerst begonnen, auch unfreie Arbeiter in größerem Maß-stabe zu verwenden. Namentlich hat sich seit dem 7. Jahr-hundert von Chios aus die Sklaverei in das europäische Griechenland ausgebreitet, zuerst nach den großen Handels-und Industriestädten; bald wurde Korinth sprichwörtlichdurch die Menge seiner Sklaven, und die NachbarstädteÄgina, Megara, Athen , die Kolonie Kerkyra sind ihm ge-folgt 3 ). So sind auch nach der Schätzung Beiochs, der die

1) Nach Eduard Meyer , Kleine Schriften 105107.

2) Herodot VI, 137; Timaeos, fr. 67.

3) Nach B e 1 o c h , Bevölkerung, S. 493 ff.

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