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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

früheren übertreibenden Berechnungen als unhaltbar dar-getan hat, in Ägina auf eine freie Bevölkerung von 2000Bürgern 70 000 Sklaven, in Attika auf 100 000 Einwohner75 000 Sklaven und in Korinth auf eine freie Bevölkerungvon 3040000 Seelen 60 000 Sklaven gekommen 1 ).

Unter den Gewerben, in welchen diese Sklavenin Manufakturen beschäftigt wurden, finden wir die Mül-lerei, die Bäckerei, die Kleiderkonfektion, Webe-reien aller Art, die Fertigung von Lederarbeiten,die Gerberei, die Bearbeitung von Metallen, dieFabrikation von Messern und die von Möbeln ausHolz und auch aus edleren Stoffen, die Töpferei, dieLampenfabrikation, die Anfertigung von Flöten, vonwohlriechenden Ölen und Salben, die Herstellung vonSchilden 2 ).

Doch darf man nicht etwa meinen, daß nur Sklaven inden gewerblichen Unternehmungen beschäftigt worden seien:es gab auch ärmere Freie, welche im freien Arbeits-vertrage die Nutzung ihrer Arbeitskraft an andere ver-kauften 3 ). Also auch den Anforderungen derjenigen wurdegenügt, die mit Karl Marx als kapitalistischen Betrieb nurden gelten lassen wollen, in dem freie Arbeiter im soge-nannten freien Arbeitsvertrage gedungen werden.

Neben den Manufakturen gab es selbstverständlichauch kleinere Handwerksbetriebe. So sagt So-krates 4 ) dem Charmides, welcher vor der Volksversamm-lung zu reden sich fürchtete:Vor wem brauchst du denndich zu schämen? vor den Walkern, Schustern, Zimmer-leuten, Schmieden, Bauern, Kaufleuten, Krämern, derenTrachten dahin geht, wohlfeil einzukaufen und teuer zu ver-kaufen? Denn aus diesen allen besteht die Volksversamm-lung, und in der Politik des Aristoteles findet sich dietreffende Unterscheidung 5 ):Wer solche Arbeiten (d. h.

1) Be loch, Bevölkerung, S. 95, 97.

2) Vgl. Büchsenschütz, S. 336339, 342.

3) Büchsenschütz, S. 344 ff.

4) Xenophon , Comment. III, 7, 6.

5) Politik III, 3.