Die griechische Wirtschaftsentwicklung.
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solche für die notwendigen Bedürfnisse) für Einen ver-richtet, ist Sklave, wer für die Gesamtheit, ist Handwerkeroder Tagelöhner.“
Der Aufschwung des Handels hatte also für die innereVolkswirtschaft der Griechen eine weitere wichtige Folge:hatten schon in der homerischen Zeit die einzelnen Haus-haltungen nur unvollkommen sich selbst genügt, so führteer zur Produktion, statt für den eigenen Bedarf, für denMarkt; und wie Aristoteles im 3. Kapitel des 3. Buchsseiner Politik sagt: „die meisten Gewerbetreibenden wurdenreich“.
Eine selbstverständliche Begleiterscheinung und Voraus-setzung dieses Übergangs von der Naturalwirtschaft zueiner auf Arbeitsteilung beruhenden Wirtschaftsorganisationwar viertens die Ersetzung des Naturaltauschs durch denGeldverkehr gewesen. Wie der Handel mit dem Orientden Griechen die orientalischen Maße und Gewichte, so hater ihnen auch die Edelmetalle als Wertmesser gebracht.Zuerst wurden die Waren nach den Gewichtseinheiten desGewichtssystems gegen Edelmetalle vertauscht, wobei dieEdelmetalle in einem festen Wertverhältnis zueinanderstanden (Gold: Elektron: Silber = 1:10:13V 2 ). An derGrenze der griechischen und orientalischen Welt, in Lydien, wurden im 7. Jahrhundert die als Geld dienenden Edel-metalle zuerst vom Staate in Münzen ausgeprägt 1 ). VonLydien aus hat sich die Münze rasch durch die ganzegriechische und italienische Welt, weit langsamer unter derPerserherrschaft, dann auch bei den orientalischen Kultur-völkern verbreitet 2 ).
Fünftens. Die wichtigsten Folgen, welche dergriechische Handelsaufschwung und die in seinem Gefolgeeingetretene Umgestaltung des Wirtschaftslebens zur Folgehatten, waren aber die sozialen und politischen Ver-änderungen, die nicht ausbleiben konnten. Durch das Ein-dringen der Geldwirtschaft wurden die alten patriarchali-