Die griechische Wirtschaftsentwicklung.
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den Aufschwung. Ephesus wurde die erste Handelsstadtdes kleinasiatischen Festlands.
Keine Gründung aber wurde wirksamer für die Aus-breitung griechischen Geistes als die dauerndste SchöpfungAlexanders des Großen, das ägyptische Alexandria . Eswurde der Punkt, wo Orient und Okzident sich die Handreichten.
Zunächst hatten alle diese Ansiedlungen der Griechenim Norden, Osten und Süden eine Steigerung der Nachfragenach griechischen Waren zur Folge. Das hat zu einemwirtschaftlichen Aufschwung des griechischen Mutterlandsohnegleichen geführt. Sogar Athen erlebte noch einmaleine Zeit außerordentlichen wirtschaftlichen Wohlergehens.Nie ist es blühender gewesen, als in den zehn Jahren derRegierung des Demetrius von Phaleron (317—307 v. Chr.).Dann aber führte eben der Erfolg der griechischen Ansied-lungen in den dem Griechentum von Alexander unter-worfenen Ländern zu Veränderungen im Gang des Welt-handels, und diese wirkten nachteilig zurück auf dasgriechische Mutterland. Bis dahin war das Mittelmeer derSchauplatz des griechischen Handels gewesen und derPiräus der Mittelpunkt aller griechischen Ansiedlungen anseinen Küsten. Das hat sich infolge der Siege Alexandersgeändert. Zunächst wurde Korinth der Vermittler zwischenOst und West; es hat Athen überflügelt und ist währenddes ganzen 3. Jahrhunderts bis zu seiner Zerstörung durchdie Römer die glänzendste Stadt Griechenlands geblieben.Athen ist zwar die geistige Metropole der Welt und dieStätte des feinsten Geschmacks geblieben; wirtschaftlichsank es immer mehr. Je mehr aber die griechischen An-siedlungen aufblühten, desto mehr wurde das ganze grie-chische Mutterland aus dem Mittelpunkt des Handels ge-rückt. Die neuen Erwerbungen waren größer, bevölkerterund reicher an Hilfsquellen als das gesamte bis dahin vonden Griechen beherrschte Gebiet. Dazu kam, daß der grie-chische Westen zurückging; in Sizilien bewahrte nur Sy-rakus seine Selbständigkeit und seine Bedeutung; nochschlimmer war der Rückgang des Griechentums in Unter-