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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.
homerischen Zeit entgegen. Obwohl auf den Edelhöfender homerischen Zeit die reine Naturalwirtschaft herrschte,erklärt Odysseus , lieber noch länger in der Welt umher-streifen zu wollen, wenn er dann nur um so mehr Hab undGut nach Haus brächte, und an Erwerbsgier und Unehr-lichkeit steht der edle Dulder sicher nicht hinter den vonHomer geschmähten Phönikern zurück. Ich habe in meinerDarstellung ferner wiederholt hervorzuheben Gelegenheitgehabt, wie sich Könige und Adel schon frühzeitig ankommerziellen und industriellen Unternehmungen beteiligthaben. Von Solon stammt der Vers:
„Reichtum hat kein Ziel, das kennbar dem Menschen gesteckt ist“ 1 )
und auch die Erscheinung der heutigen kapitalistischen Zeit, daß ein Junker, der die neue Zeit bekämpft, auf ihrenWegen selbst wandelt, finden wir schon damals. So dengroßen Reaktionär Theognis aus Megara ; er lebte in derzweiten Hälfte des 6. Jahrhundert v. Chr.; er hat in un-glücklichen überseeischen Handelsunternehmungen seineGüter verloren und sich dann eifrig bemüht, das Verlorenedurch Handel „sowohl zu Land wie auf dem breiten Rückendes Meeres“ wiederzugewinnen; aber vergeblich, worauf erin ermüdender Wiederholung klagt, daß „Maß nicht kennendie Menschen, noch Ziel im Trachten nach Reichtum“ unddie Reichen schmäht, denen es besser geglückt 2 ). Daß zurZeit des Perikies und Xenophon die Athener vom Handel
1) Ebenso heißt es in Platos Gesetzen XI, 919: „Die Klasseder Menschen ist klein, die, wenn sie in Bedürfnisse geraten undBegierden nach gewissen Dingen bei ihnen rege werden, imstandesind, sich in die Grenzen der Bescheidenheit zu bequemen, unddie, wenn sie Gelegenheit haben, große Schätze zu sammeln,nüchtern bleiben und den Stand der Mäßigkeit dem hohen Reich-tum vorziehen; ihrer sind von Natur wenig und diese bedürfennoch einer vollkommenen Erziehung. Weit der größere Teil derMenschen ist von ganz entgegengesetzter Art: wo sie Bedürfnissehaben, gehen diese ins Ungemessene, und wo sie einen mäßigenGewinn machen könnten, sind sie unersättlich im Verlangen zugewinnen.“