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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die altjüdischen Wirtschaftsverhältnisse.

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Der Schwerpunkt der Wandlung in der Gottesauf-fassung, zu welcher die Erlebnisse des jüdischen Volkesgeführt haben, liegt also, wie Eduard Meyer 1 ) bemerkt,weniger in dem Monotheismus, als vielmehr in der scharfenBetonung der Alleinigkeit Jahves. Darin aber auch dieGrundlage der hochmütigen Überlegenheit, mit der dieJuden als alleinige Bekenner des wahren Gottes allenanderen Völkern entgegentreten und des Gefühls der Er-bitterung, weil ihre äußere Stellung dieser Überlegenheitdes von Gott auserlesenen Volks nicht entspricht. Daherferner ihre selbstgewollte scharfe nationale Absonderungund daher auch derJudenhaß 2 ) der mit der EntstehungdesJudentums, bei allen Völkern, in deren Mitte siewohnen, in die Erscheinung tritt.

Von Babylon aus haben sich die Juden nach Ost undWest verbreitet. Als Cyrus im Jahre 536 v. Chr. den Judendie Rückkehr nach Kanaan und den Wiederaufbau desTempels erlaubte, sind es nur die Ärmeren und Frommengewesen, die zurückgekehrt sind; die wohlhabenderenblieben da, wo sie sich niedergelassen hatten, und bildetendurch ihren religiösen Glauben zusammengehaltene Ge-meinden, die in Beziehungen mit ihren Stammesgenossenstanden. Und ebenso war es mit den Juden, welche inanderen Ländern zwangsweise angesiedelt worden sind; soin Phönikien, Cypern, den griechischen Inseln, Ägypten und ebenso mit denen, die ihnen freiwillig nachgefolgtsind 3 ). Ihre Einwanderung nach Ägypten, der Cyrenaika und den bewohnbaren Gegenden Libyens ist von den Ptolo-mäern sehr begünstigt worden; sie wurden dort so sehrhellenisiert, daß sie die Sprache ihrer Väter nicht mehr aus-reichend verstanden und das Alte Testament für sie insGriechische übersetzt werden mußte. Besonders viele Judengab es in Alexandrien . Es istseit den Zeiten des ersten

1) Eduard Meyer , Geschichte des Altertums III, 189.

2) Vgl. Mommsen, Römische Geschichte V, 5. A., S. 499,512, 515, 551. Eduard Meyer a. a. O. S. 215ff.

3) Über die Juden in der Diaspora vgl. Jean Justera. a. O. I, 179 ff.