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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 95

ebenso sämtliche Eisengeräte, die kupfernen Küchen- undWirtschaftsgeräte und alle Tongefäße mußten gekauftwerden. Um dies zu ermöglichen, mußte der Bauer, umunabhängig bestehen zu können, noch ein Fünftel mehrernten, als der Oesamtnahrungsbedarf betrug. Nimmtman an, daß der Haushalt 4 Personen umfaßte, so mußtenetwa 6,42 jugera mit Weizen bestellt werden, bei 5 Per-sonen 8 jugera. Das setzt bei Zweifelderwirtschaft einennotwendigen Umfang des Bauerngutes von 13 bzw. 16jugera voraus. Somit mußten Güter unter 16 jugeraentweder noch Nebenerwerb haben, oder ein Stückvom ager publicus okkupieren, um existieren zu können.Auch reichten bei der Oberflächlichkeit des Anbausdie Arbeitskräfte des bäuerlichen Betriebs aus, um 12 bis14 jugera zu bestellen; nur zur Erntezeit bediente man sichauch auf kleinen Betrieben zeitweilig der Beihilfe vonfreien Taglöhnern.

Aber schon im 3. Jahrhundert begann sich neben derBauernwirtschaft der Großgrundbesitz und Großbetrieb zuentwickeln. Die ersten Anfänge eines größeren Grund-besitzes erklären sich leicht teils aus der Aufteilung derGeschlechtsmarken bei der ungleichen Kopfzahl derer,welche in den verschiedenen Geschlechtern daran Teilhatten, mußte von selbst ein Stand größerer Grundbesitzerentstehen teils aus der Menge der in Rom zusammen-strömenden kaufmännischen Kapitalien 1 ). Allein das ge-nügt nicht, um zu erklären, daß die kleinen Bauernwirt-schaften, mit denen die römische Entwicklung begonnenhatte, durch die Latifundienwirtschaft verhältnismäßigweniger Reicher mittels Sklaven und Kolonen erst freier,dann unfreier Kolonen verdrängt worden sind. Wie istdas gekommen?

Die Ursache liegt nicht in dem Fehlen von Getreide-zöllen und in den freien Getreidespenden, die den Getreide-bau in Italien unrentabel gemacht hätten. Zwar hat dies

1) Mommsen, a. a. O. 1, 188.