Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
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des Gaius Gracchus hat aber der Niedergang der Bauernzum Aufstand unter seinem Bruder Tiberius den Anlaßgegeben.
Die Ursachen sind anderswo zu suchen. Sie waren:
1. die Usurpation des Gemeinlandes durch die Pa-trizier;
2. die Ausbeutung der Plebejer durch die Patriziermittels des Schuldrechts;
3. die wirtschaftliche Erschöpfung der römischenBauern als Folge der wachsenden Ansprüche, welche dieunaufhörlichen Kriege an ihre Leistungsfähigkeit stellten.Wir wollen die drei Ursachen, die zusammenwirkten, dieAufsaugung des römischen Bauern durch einen kapitalisti-schen Großgrundbesitz herbeizuführen, gesondert betrachten.
Als erste Ursache habe ich die Usurpation des Ge-meindelandes durch die Patrizier genannt. Sie tritt uns amfrühesten entgegen.
Ich habe wiederholt betont, daß bei allen Völkern derKrieg die älteste auf Erwerb gerichtete Tätigkeit gewesensei. Der Satz desTacitus über die alten Deutschen. „Pigrumet iners videtur sudore aquirere, quod possis sanguineparare“ galt ebenso für die alten Römer. „Maxime suaesse credebant, quae ex hostibus cepissent“, heißt es beiGaius IV, 16. Da es vorgekommen war, daß ein sieg-reiches Heer, indem es sich dem Plündern hingab, demFeinde Gelegenheit gab, sich zu sammeln und den Plün-dernden wieder den Sieg zu entreißen, wurde das Plündernsogar systematisch geordnet. Die eine Hälfte des Heersmußte in Reih und Glied stehen bleiben, während die anderezum Plündern sich wandte. Jeder Soldat mußte schwören,alles, was er beim Plündern erbeutet hatte, dem Feldherrnabzuliefern. Dieser nahm dann die Verteilung vor*). Nichtselten kam es zu Streitigkeiten über die Beuteverteilung 1 2 ).
Aber nicht das, was der Feldherr an die Soldatenoder Bürger überhaupt verteilte, ist der Ausgangspunkt
1) Po ly bi os, Oeschichten, X, 16 ff.
2) Livius V, 20 ff.
L. Brentano, Das Wirtschaftsleben der antiken Welt.
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