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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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100 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

bebauten. Sie gebrauchten dabei Sklaven zum Landbau undzur Viehzucht, weil ihnen freie Leute von der Arbeit wegzum Kriegsdienst genommen worden wären. Auch dieserBesitz von Sklaven brachte ihnen zu gleicher Zeit noch inso-fern großen Gewinn, als sich diese wegen ihrer Befreiungvom Kriegsdienst ungefährdet vermehren konnten und eineMenge Kinder bekamen. So zogen die Mächtigen durchausallen Reichtum an sich und die ganze Gegend wimmelte vonSklaven. Die Italer dagegen wurden immer weniger, undihr männlicher Mut verschwand, weil sie durch Armut, Ab-gaben und Kriegsdienste aufgerieben wurden. Traten aberauch Zeiten des Friedens ein, so sahen sie sich in voll-kommene Untätigkeit versetzt, weil die Reichen im Besitzedes Bodens waren, und statt freier Leute Sklaven zumAckerbau gebrauchten.

Diese Verdrängung der Plebejer aus ihrem Anteil andem ager publicus, den sie miterobert hatten, wurde nichtbloß seitens volksfreundlicher Patrizier, wie des SpuriusCassius 1 ) und des Lucius Sittius Dentatus 2 ), aufs heftigsteangegriffen, sondern auch Appius Claudius 3 ), der Führerder Reaktionäre, konnte nicht umhin, zuzugeben, ,,daß dieErbitterung der Armen gegen die Reichen, welche dasöffentliche Eigentum sich angeeignet haben und besitzen,gerecht und es nicht zu verwundern sei, wenn sie ver-langten, lieber sollten alle das öffentliche Eigentum untersich teilen, als die Schamlosesten und nur Wenige es be-

1) Er stellte den Antrag, man solle das Land austeilen, das,im Kriege erobert, zwar den Worten nach Staatsgut, in der Tataber Eigentum der rücksichtslosesten und ohne alles Recht esbesitzenden Patrizier sei. Dafür stellten diese den Antrag, ererstrebe das Königtum und er wurde wegen dieses Verbrechensvom Tarpejischen Felsen gestürzt Dionysius von Hali-karnaß VIII, 70 ff.

2) Er führte aus (Dionys X, 37), daß die gewalttätigstenund schamlosesten den besten Teil des eroberten Landes be-säßen, und seit Jahren den Nutzen davon zögen, ohne es vomVolke zum Geschenk erhalten oder gekauft zu haben, ohne einenanderen rechtmäßigen Erwerb desselben nachweisen zu können.

3) Dionys von Halikarnaß VIII, 73.