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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

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seinem Kollegen den Plebejern vor dem Feldzug gegebenenVersprechungen zu erfüllen. Als dann im folgenden Jahreder Krieg abermals ausbrach, fügten sich die Bauern zwardem Gebote des Diktators Manius Valerius im Vertrauenauf die erneuten Versprechungen des aus einer wegen ihrerVolksfreundlichkeit berühmten Familie stammenden Mannes;der Sieg war abermals auf Seiten der Römer; aber als dieSieger heimkamen, und der Senat abermals die Einlösungder Versprechen des siegreichen Heerführers verwarf, ver-ließ das noch versammelte Heer seinen Feldherrn und be-setzte in musterhafter Ordnung einen zwischen Tiber undAnio gelegenen Hügel, um dort im fruchtbarsten Teil desrömischen Stadtgebietes eine neue Plebejerstadt zu gründen.Die Erpresser erkannten, daß ein solcher Bürgerkrieg auchmit ihrem ökonomischen Ruine enden müsse. Der Senatgab nach. Die drückendste Schuldnot wurde abgestellt; eineAnzahl Bauern wurde durch Gründung neuer Kolonien ver-sorgt; das wichtigste Ergebnis war die Einsetzung einesVolkstribunats, dessen Vetorecht die Volkstribunen instandsetzte, jeden von den Beamten erlassenen Befehl, durch dender davon betroffene Bürger sich verletzt hielt, auf dessenProtest hin zu vernichten. Aber erst 324 v. Chr. haben diePlebejer durch Abschaffung des strengen Schuldrechts, wieLivius *) sich ausdrückt, eine neue Freiheit erlangt. Dannaber kamen noch andere Verhältnisse hinzu, auf die ichalsbald zu sprechen kommen werde, welche dem Reichendas Bauernlegen leicht machen sollten.

3. Endlich wuchs der Großgrundbesitz infolge desKriegsdienstes 1 2 ). Durch ihn gelangten die nachteiligenWirkungen der mißbräuchlichen Aneignung des Gemein-lands und der Schuldgesetze für das Fortbestehen desbäuerlichen Kleinbesitzes erst voll zur Geltung.

In Rom war jeder freie Bürger Wehrmann. Das ging,solange die Stadt klein war und nur kleinere Kriege zu

1) Livius VIII, 28.

2) Vgl. Ludo Moritz Hartmann, Der Untergang derantiken Welt. Wien 1903, S. 5.