Druckschrift 
Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 105

kriechen. Nur die, welche für Italien kämpfen und sterben,haben wohl auch Luft und Licht, sonst aber nichts, reingar nichts; unstät, ohne Haus und Wohnsitz müssen siemit Weib und Kind im Lande umherirren. Die großenmächtigen Feldherrn lügen, wenn sie ihre Soldaten in derSchlacht auffordern, für ihre Gräber und Heiligtümer zustreiten wider den Feind; kein einziger hat einen väter-lichen Altar im Hause, keiner eine Ruhestätte seinerAhnen, keiner von so viel Römern. Für fremde Schwel-gerei, für fremde Reichtümer fechten und sterben sie,diese Leute, von denen man spricht, sie sind die Herrender Welt, und die auch nicht eine Scholle ihr eigen nennenkönnen.

Dies sind die Ursachen der beginnenden Konzentrationdes bäuerlichen Grundbesitzes in den Händen einer immergeringeren Anzähl von Großgrundbesitzern. Was so be-gonnen, steigerte sich mit der weiteren Entwicklung desKapitalismus. Bis dahin hatte er sich nur in Gelddarlehengegen sehr oft exorbitante Zinsen und, wie aus den Handels-verträgen zwischen Rom und Karthago zu schließen ist, imHandel betätigt. Seit dem zweiten punischen Krieg dranger aber, wie wir noch sehen werden, in die Landwirtschaftein, und begann auch die nationalste Erwerbstätigkeit derRömer, das Kriegswesen, umzugestalten. In Spanien findenwir keltische und iberische Söldner im Dienste der Scipio-nen 1 ), und je größer das Reich wurde, desto nötigerwurden Legionen mit langer Dienstzeit. Daß die erobertenLändereien von je die Beute der römischen Aristokratengewesen, haben wir kennen gelernt; nun wird die Verwal-tung der eroberten Provinzen ihre Beute. Daher die kolos-salen Reichtümer, die sich ohne jede produktive Tätigkeitin ihren Händen anhäuften und die mit jeder Eroberungwuchsen. Man warb mit eigenem durch Wucher ge-wonnenen Gelde oder mit Geld, das man von Wucherernerborgt hatte, Legionen gegen Bezahlung und Aussicht aufBeute und führte damit einen Krieg, der mit eigener Be-

1) Livius XXIV, c. 49.