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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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106 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

reicherung endete. Der Ruhm der Generäle wurde nachder Masse Geld, die sie nach Rom brachten, geschätzt, undGeneräle, Statthalter, Zöllner wetteiferten, fremde Völkerund die Provinzen zu plündern. Nach dem Zeugnis desPlinius 1 ) hatte Aemilius Paulus nach Besiegung des Per-seus 300 Millionen Sesterzien = 12 Millionen Mark in dieStaatskasse gebracht, und von dieser Zeit an hörte dasrömische Volk auf, Abgaben 'zu zahlen. Unter den Kon,-suln Sextus Julius und Lucius Marcius zu Anfang desBundesgenossenkriegs (9088 v. Chr.) befanden sich nichtweniger als 1 620 831 Pfund röm. an Gold, gleich 504000 000Reichsmark, in der Staatskasse Roms. Den römischen Heerenfolgten Tausende von Kaufleuten, die die Beute der Sol-daten zu Geld machten und den von den Generälen in deneroberten Ländern begonnenen Raubzug vollendeten.

Der große Reichtum Roms war das Ergebnis desKriegs 2 ); er kam infolge der Besiegung Afrikas undAsiens; Rom wurde und blieb für Jahrhunderte der großeinternationale Geldmarkt.

Ein armes Land, mangelnd an Geldreichtum, wurdeRom infolge seiner Siege also mit Geld überschwemmt.Nunmehr auch eine Änderung'in dem Ziel, auf welches dasunbegrenzte Streben nach Erwerb sich richtet. Ehedemäußerte sich das Bedürfnis nach Anerkennung durch Anderein dem Streben nach einem großen Gefolge abhängigerLeute und auf Landbesitz als Mittel, um ein großes Ge-folge zu halten. In der Zeit der ersten Anfänge des römi-schen Großgrundbesitzes wurde er nicht erstrebt, um desGeldes willen, welches gesteigerte landwirtschaftliche Er-träge brachte; die Voraussetzung ihrer Verwertung wärenMärkte gewesen ausreichend groß,'um diese Erträgnisse inGeld zu verwandeln. Ein Markt von solcher Größe warzur Zeit jener Anfänge noch nicht vorhanden. Damals

1) Plinius, Historia naturalis , lib. 33, 17.

2) Sallust, Verschwörung des Catilina § 11; Jugurthacap. XLI und passim. Plinius, Historia naturalis, lib. 33.Vgl. auch Nie buh r, Vorträge II, 187 ff. Guglielmo Fer-rero, Größe und Niedergang Roms I.