Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
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hatte man den Großgrundbesitz genutzt, ähnlich wie beiden Kelten die Klanshäuptlinge ihren Landbesitz nutzbargemacht haben. Man verlieh den Teil des Bodens, denman nicht selbst bestellte, an geringe Leute. Nach eineralten Definition werden die Senatoren Väter genannt, weilsie, wie der Vater an die Kinder, Äcker an geringe Leuteausteilten. Die Empfänger traten damit in ein Treuver-hältnis zu dem Verleiher, ähnlich dem, welches später unterdem Namen Precarium begründet wurde. Der Empfängerbehielt das ihm verliehene Land, solange es dem Verleiherbeliebte, und hatte kein' gesetzliches Mittel, um sich gegendiesen in dem Besitz zu schützen; dieser konnte ihn nachBelieben ausweisen. Eine wirtschaftliche Gegenleistung desEmpfängers an den Bodeneigentümer hat nicht notwendigin dem Verhältnisse gelegen, aber wohl regelmäßig, undzwar wahrscheinlich in einem Teil des Fruchtertrags statt-gefunden. Der Hauptvorteil, den der Verleiher von seinemso verliehenen Boden zog, bestand in dem politischen Ein-fluß, den er damit gewann. Das Klientelverhältnis näm-lich beruhte in letzter Linie auf dieser Zuweisung vonBodennutzungen: der Empfänger des Bodens wurde derKlient des Verleihers. Es war also in Rom, wie überall,bevor die Entstehung von Märkten, für die man pro-duzieren konnte, die Gelegenheit gab, den Reichtum kapi-talistisch zu nutzen. Wie überall war der Vorläufer desStrebens nach unbegrenztem Gewinn, das Streben nach einergroßen Anzahl von Abhängigen, weil diese es damalswaren, die Ansehen und Macht verliehen. Der Hauptvorteil,den der Verleiher von seinem als precarium verliehenenBoden zog, bestand in dem politischen Einfluß, den ihmeine große Klientel von ihm abhängiger Proletarier gab.
Allein die wirtschaftlichen Verhältnisse änderten sich.Mit seinem kriegerischen Erfolge ein Aufblühen und außer-ordentliches Wachstum Roms. Damit entstand dort eingroßer Markt für landwirtschaftliche Produkte aller Art.Ähnlich in den Provinzialstädten. Gleichzeitig im Zusammen-hang mit der wachsenden Anhäufung von Geld in Rom eineÄnderung in dem unmittelbaren Ziel des Erwerbs. Alle