Druckschrift 
Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

108

Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

Seelen ergreift die auri sacra fames, denn mit Geld läßtsich nun alles erwerben. Land, politischer Einfluß, Macht 1 ).Daher die Klage in der ersten Epistel des Horaz:

O Mitbürger! Zuerst sucht Geld zu erwerben, die TugendFolget dem Geld; so tönt es laut vom ersten zum letztenJanus; frisch sonach singet den Spruch so Alte, wie JungeImmer zum Rechnen bereit, Zahltafel und Kapsel am Arme.

Und ebenso heißt es in seinen Satiren 2 ) und Oden 3 ),ebenso in den Elegien des Properz 4 ), in den Fasten desOvid 5 ), in den Satiren des Juvenal 6 ). Cicero erzählt vonden trefflichen Männern, die unter den Bogen auf demMarkt, der Börse, sitzen und über die Methode, Geld zuerwerben und anzulegen, besser disputieren, als irgend-welche Philosophen. Plinius 7 ) meint, in Rom blühe nureine Kunst, die Habsucht; er klagt:Seitdem man nureinen Genuß kennt, möglichst viel zu besitzen, ist Alles, wasdas Leben ziert, ehrlos geworden; und wie der Tugend be-gegnet man auch allen Künsten mit Verachtung, und nurmit knechtischer Gesinnung kann man emporkommen.Pe-tronius 8 ) führt den Verfall der Kunst auf die Liebe zumReichtum zurück. Dann fährt er fort:Wer tritt heute ineinen Tempel, wer legt heute ein Gelübde ab, um die Bered-

1) Vgl. Gaius Sallustius Crispus, Catilina, 12. Jugurtha8, 20, 35, 41.

2) Q. Horatii Flacci Satirarum 1, I, ... Nil satis est, inquit,quia tanti, quantum habeas, sis.

3) Carmina III, 16, 9: Aurum per medios ire satellites,

Et perrumpere amat saxa potentiusIctu fulmineo.

4) S. Aurelii Propertii elegiarum 1., III, 13, 48:

Aurum omnes victa jam pietate solunt.

Auro pulsa fides, auro venalia jura,

Aurum lex sequitur, mox sine lege pudor.

5) P. Ovidii Nasonis Fastorum, lib. I, 217:

In pretio pretium nunc est: dat census honores,Census amicitias: pauper ubique jacet.

6) D. Junii Juvenalis Satirae I, 112 et sequ.

7) Historia Naturalis XIV, 1.

8) Satyrikon LXXXVIII.