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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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120 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

sehe Landwirtschaftsbetrieb von kapitalistischen Gesichts-punkten beherrscht worden ist.

Cato lebte von 234 bis 149 v. Chr. Bei seiner Schriftüber den Landbau hat er ein bestimmtes Gut im Auge.Es besteht aus drei Teilen. Den einen Teil bilden zweiHaupthöfe auf ager privatus, eine Olivenpflanzung von240 jugera, gleich 60 ha, und eine Weinpflanzung von 100 ju-gera, gleich 25 ha. Den zweiten Teil bildet von Pächtern be-stelltes Getreideland, den dritten Teil Weideland auf demager publicus.

Die Produktion ist auf den Absatz gerichtet, wobei Ölbzw. Wein die Güter sind, die hauptsächlich zum Verkaufgestellt werden. Nur wenn Überschüsse vorhanden sind,soll Getreide verkauft werden. Im Wein- und Ölbau siehtCato den Schwerpunkt der italischen Landwirtschaft. DieWeidewirtschaft betrachtet er als die am besten sich ren-tierende Kapitalanlage.

Cato entspricht nichts weniger als der Vorstellung voneinem Bauern, der lediglich für den Bedarf des eigenenHaushalts produziert und zufrieden ist, wenn er so viel her-stellt, als er dazu benötigt. Die Landwirtschaft ist für ihneine Kapitalanlage; ausschließliches Ziel der Wirtschaftist, die größtmögliche Rente herauszuwirtschaften; seinpater familias erscheint als vornehmer, reicher Grundbe-sitzer, der meist in der Stadt wohnt und sein Gut, oder viel-mehr seine Güter durch einen dem Sklavenstand ent-nommenen Verwalter, vilicus, mit Hilfe von Scharen un-freier Arbeiter bewirtschaften läßt. Der dominus selbstmacht nur dann und wann Inspektionsreisen dahin.

Hauptbedingung für die Rentabilität eines Gutes istnach Cato die Nähe einer bedeutenden Stadt oder gute Ver-kehrswege zu Wasser und zu Land, um die Produkte mitVorteil absetzen zu können. Andererseits soll man die Be-triebskosten möglichst herunterzudrücken bemüht sein. Dievorhandene Arbeitskraft soll man methodisch auszunützenwissen, direkte Ausgaben möglichst vermeiden nach demGrundsätze: viel verkaufen, wenig kaufen.

Alle dauernd auf dem Gute angestellten Leute ge-