Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 127
dann weil er nicht so sehr bei der Feldarbeitet ermüdet, daer sich bei dem Pflügen fast mit geradem Leibe auf diePflugstürze legen kann; bei den übrigen Ackerknechtenkommt es auf die Statur nicht an, wenn sie nur zur Arbeitgeschickt sind. Der Weinbau erfordert nichts so sehr alsbreitschultrige und starke Leute, diese sind zu dem Be-hacken und Beschneiden am brauchbarsten. Die Mäßig-keit ist bei diesen nicht so sehr unentbehrlich, wie bei denandern Ackerleuten, weil viele Winzer zugleich und untereinem Aufseher arbeiten. Überdies ist ein leichtfertiger Kerlgemeiniglich von geschwinderem Begriff, als andere; unddieses wird zum Weinbau erfordert: denn dazu gehört so-wohl Stärke als hurtige Einsicht, weshalb man auch denWein meistens durch gefesselte Sklaven bauen läßt.“
Columella 1 ) empfiehlt, die Sklaven grundsätzlich biszur totalen Erschöpfung arbeiten zu lassen, da sie alsdannnur noch an den Schlaf und nicht an andere Dinge denken.So vor ihm schon Cato. Plutarch erzählt von ihm: „JederSklave mußte entweder zuhause notwendige Arbeiten ver-richten oder schlafen.“ Die Stelle bei Columella lautet:„Nichts hält auch den boshaftesten Menschen mehr vonVergehungen ab, als wenn man ihn unter der Arbeit hält,und ihn sein Tagwerk abarbeiten läßt und wenn allent-halben der Verwalter selbst zugegen ist.“
Wir finden bei Columella auch magistri offi-ciorum erwähnt. Die Sklaven waren also nicht nur reinkorporalschaftsweise in classes, decuriae, gegliedert, sondernauch nach den officia, den Arten der Arbeitsleistungen.Das hängt mit der gesteigerten Sorgfalt der Technik zu-sammen. So nicht nur die Hirten nach der Art der zuhütendeii Tiere, sondern als man anfing, zum Weinbau stattder billigsten Arbeitskräfte gelernte Weinbauer zu erwerben,und noch schärfer, als man anfing, auf den größerenGütern eigene Handwerker zu organisieren. Die Or-ganisation der späteren Zeit schied dann scharf zwischen
1) Columella I, 8.