Druckschrift 
Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

130 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

Sklaven zu halten, daß man auch zur Erntezeit genug Ar-beitskräfte gehabt hätte. Man hätte da durch lange Zeitdie Sklaven müßig durchfüttern müssen. Es wäre alsosehr kostspielig, sehr unwirtschaftlich gewesen. Dabeidrohte beim Tode des Sklaven ein Kapitalverlust. Da warenfreie Arbeiter vorzuziehen; der freie Arbeiter stirbt füreigene Rechnung.

Man half sich also zunächst, indem man zu den Zeitendes großen Arbeitsbedarfes, namentlich zur Erntezeit, freieLohnarbeiter dazu mietete. Aus den Schriften des Cato,des Varro, des Columella geht hervor, daß man bei derKorn- und Heuernte gedungene Schnitter hinzunahm;Mommsen berichtet 1 ), daß diese oft als Lohn die 6. bis9. Garbe, oder wenn sie auch druschen, das 5. Kornempfingen. Auch gab es Unternehmer, denen man dieErnte in Akkord gab, und welche sie dann mit Hilfe ge-dungener Freier oder eigener Sklaven einbrachten.

Allein das Auskunftsmittel wurde unzureichend; baldfehlte es an den nötigen freien Saisonarbeitern. Zusammenmit dem Anwachsen der Latifundien ein Anwachsen derSklavenzahl. Die Kriege, welche den Großen die Lati-fundien brachten, brachten auch große Sklavenmengen nachRom. Die Konkurrenz der Sklavenarbeit beraubte diekleinen Bauern des Nebenerwerbs als Taglöhner, ohne densie, wie wir gesehen haben, nicht leben konnten 2 ). Auchwo sie nicht mit unrechtmäßigen Mitteln ihres Besitztumsberaubt wurden, verloren sie es, weil sie es, da sie sichnicht halten konnten, verkaufen mußten. Um so mehr mußtedie Stadt Rom ihre Anziehungskraft geltend machen. Einegroße Landflucht trat ein, je weniger die Menschen aufdem Lande fortkommen konnten. Um die Hungernden inder Stadt zu beruhigen, hat man dann schon seit G. Grac-chus Getreideverteilungen in Rom eingeführt. Wenn derfreie Bürger aber, wenn er nach Rom ging, auf Staats-kosten Getreide erhielt, was sollte er sich als Lohnarbeiter

1) Römische Geschichte I, 9. A. 835.

2) Vgl. A p p i a n, Bürgerkriege I, 7.