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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .

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können, werden die Kolonen an die Scholle gefesselt; damitdie zum Unterhalt nötigen Produkte beschafft werdenkönnen, werden die Menschen zwangsweise den einzelnenNahrungsgewerben zugeführt; damit die Gewerbesteuer auf-gebracht werde, müssen alle, die ein Gewerbe betreiben, fürdie von demselben aufzubringende Steuer solidarisch haften;und damit keiner sich oder seine Kinder dieser Pflicht ent-ziehe, darf keiner sein Gewerbe aufgeben, und diese Pflichtgeht auf die Kinder über. Und ebenso ist es mit der Selbst-verwaltung der Städte. Die Führung der Stadtverwaltungwar früher ein von den Reichen begehrtes Ehrenamt ge-wesen; um sie zu erlangen, hatten sie großen Aufwand imöffentlichen Interesse nicht gescheut. Was früher ein vonihnen begehrtes Recht war, ist zu ihrer Pflicht geworden,seit sie für den Eingang der von einer Gemeinde aufzü.-bringenden Steuer persönlich haften.

Nichts charakteristischer für die Verhältnisse als dasberüchtigte Preisedikt Diokletians . Es ist die Folge davon,daß, als die Kriege mit den reichen Völkern aufhörten, dieGeldwirtschaft, weil man nichts für den Export produzierte,infolge des Geldabflusses für die Waren des Orients in Ver-fall geriet. Das Edikt war kein vollständiges Novum, nochauch ist es der letzte Versuch, die Preise von oben herab fest-zustellen. Schon vor Diokletian hatten Tiberius, Commodus ,Alexander Severus , die Preise gesetzlich festzustellen ver-sucht. Nach Diokletian versuchte es noch Julian und dasganze Mittelalter ist voll solcher Versuche. Der VersuchDiokletians ist besonders bemerkenswert, eben wegen seinesZusammenhanges mit dem allgemeinen wirtschaftlichenVerfall.

Die notwendige Folge des Verfalls war, daß dieSteuern nicht mehr entrichtet werden konnten. An die Stellevon Geldsteuern traten wieder Naturalsteuern mit aller siebegleitenden Willkür. Die öffentlichen Kassen wandeltensich in Staatsmagazine. An die Stelle der Grundsteuer tratdie Annona. Wirtschaftlich ist das Mittelalter bereits da.Indes vermochte die Reichsverwaltung doch nur gewissenAnsprüchen, die an sie gestellt wurden, durch Natural-