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lieferung zu genügen. Zu anderen Zwecken brauchte sieGeld, und, um ihren Zahlungsverpflichtungen in Münze zugenügen, griff man zur Münzverschlechterung 1 ). Es kommtdie Vorstellung auf, daß der Staat den Geldwert willkürlichfestsetzen könne; man setzt Zinn- und Bronzemünzen inUmlauf und die staatliche Geldtheorie erleidet ihr erstesFiasko. Die Folge der Münzverschlechterung war nämlichein allgemeines Steigen der Preise; dadurch aber wurde dieLage der Truppen und Beamten verschlechtert. Namentlichklagten die Soldaten, wenn die Regimenter verlegt wurden,und sie an den neuen Orten höhere als die gewohntenPreise zahlen mußten. Daher setzt Diokletian 301 Höchst-preise fest, die nicht überschritten werden sollten. In derEinleitung des Preisediktes ist viel von der „rasenden Gierund der mit reißender Wut überschäumenden Habsucht derVerkäufer“ die Rede, der im Namen der Gerechtigkeitentgegenzutreten eine Gewissenspflicht der Väter sei. Wirdürfen uns dadurch nicht irreleiten lassen 2 ). Das warennur moralische Floskeln, mit denen ja auch sonst Gewalt-maßnahmen verschleiert zu werden pflegen, zu denen mandurch die verzweifelte Lage, in der man sich befindet, ge-trieben wird. Hohe Strafen wurden für die Überschreitungder festgesetzten Preise bestimmt. Sogar Hinrichtungen fandenstatt wegen Verletzung des Lohn- und Preistarifes. Trotz-dem hatte Diokletian damit ebensowenig Erfolg wie mitseiner Christenverfolgung. Die Preisedikte konnten nichtdurchgesetzt werden, ebensowenig wie das spätere desKaisers Julian.
Indes nicht nur in der Wiederkehr von Naturalsteuernan Stelle der Geldsteuern tritt uns der Beginn des Mittel-alters entgegen. Wir haben gesehen, auch die mittelalter-liche Grundherrschaft steht völlig ausgebildet schon da. DieLatifundien der Senatoren, der die kaiserlichen Domänen be-
1) Vgl. Lactantius, De mortibus peccatorum, c. 7. MignePatr. lat. VI.
2) Vgl. Bücher in der Zeutschrift für die gesamte Staats-wissenschaft, L, 189 ff.