Die byzantinische Volkswirtschaft. 197
macht des Adels und der mit diesem zusammenhängendenPriesterschaft zu erwehren. König Kawadh (Regierungs-antritt im Jahre 488 n. Chr.), der Vater des Chosran (desChosroes der Griechen) hat sich zu diesem Zweck sogarmit den Anhängern eines Mannes, namens Mazdak, ver-bunden 1 ), der lehrte, daß alle Menschen gleich geschaffenseien, und es daher unrecht sei, wenn der eine mehr Güterund mehr Weiber habe als der andere; Kawadh ist ebendeshalb von seinen rebellischen Großen abgesetzt worden.Persien ist ein auf feudaler Grundlage aufgebauter Staatgeblieben; und wenn wir hören 2 ), daß Perserkriege ab-gebrochen wurden, weil sich das persische Aufgebot auf-löste und nach Hause ging, so erinnert dies an Vorgänge,die sich ganz ähnlich später im europäischen Lehenswesenfinden.
Dieses Perserreich hat schon den Römern großeSchwierigkeiten bereitet, als sie in der letzten Zeit der Re-publik nach der Besetzung Syriens in unmittelbare Berüh-rung mit ihm kamen. Unter dem römischen Kaiserreichwar es eine steigende Sorge der Regierung, den Persernentgegenzutreten. Das mußte um so mehr der Fall sein,als mit der Pax romana die Beraubung von reichen Völkernund Provinzen zugunsten Italiens auf hörte und damit derVerfall Italiens , dessen Reichtum darauf beruht hatte, ein-trat. Damit wurde der wirtschaftliche Schwerpunkt desReichs in seine östliche, griechische Hälfte verlegt, derenWohlstand im Gegensatz zu Italien auf eigener wirtschaft-licher Produktion beruhte. Und wenn, wie bemerkt, schonCäsar, Antonius, Nero, Geta an die Verlegung der Regierungin die Hälfte des Reichs gedacht hatten, welche vermögeihres natürlichen Reichtums und ihrer überlegenen Kulturden Westen weit übertraf, so mußte dieser Gedanke immermehr nach Verwirklichung drängen, je größer die Gefahrwurde, die dem Römerreich vom Osten her drohte. Nur
1) Vgl. Tabari, Geschichte der Perser und Araber, über-setzt von Nöldeke. S. 140ff., 455ff.
2) Mommsen, a. a. O. S. 419, 421.