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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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198 Die byzantinische Volkswirtschaft.

hat Konstantin, der ihn ausgeführt hat, nicht Alexandrien zum Sitze der Regierung gewählt; zu seiner Zeit gab esaußer den vom Osten auch vom Norden her drohende Ge-fahren. Er hat sein Neu-Rom erbaut, wo es möglich war,beiden entgegenzutreten, und wo gleichzeitig, vermöge derunvergleichlichen Lage des Ortes, aus allen Teilen der da-mals bekannten Welt der Reichtum zusammenströmte, derzur Überwindung beider Gefahren nötig war. Denn alleinmittels der rohen Kraft seiner Bürger hätte sich das rö-mische Reich gegenüber dem Andrang der Barbaren nichtlange halten können; aber wie Strabo , wo er von Böotienspricht, sagt 1 ), die Hellenen haben, um Krieg zu führen,stets die Wissenschaften und den Verkehr nutzbar gemacht,und die Römer waren Gebieter über alle geworden, indemsie dem Beispiel der Hellenen gefolgt sind, ln dem hierentstandenen byzantinischen Reiche hat die antike Kulturihren Untergang im weströmischen Reich tausend Jahreüberdauert; von ihm aus hat ihre Wiedergeburt im west-lichen Europa ihren Ausgang genommen.

Die wirtschaftliche Grundlage der so langen Dauer desbyzantinischen Reichs waren die Erwerbszweige, auf denen,wie wir gesehen haben, von den ältesten Zeiten an derReichtum der Länder am Ostbecken des Mittelmeers beruhthat: Gewerbe und Handel. Sie blühten weiter in den Pro-vinzen, in denen sie schon vor der Verlegung der Haupt-stadt nach Konstantinopel geblüht hatten, ln Kleinasien ,Syrien und Ägypten blühten sie, bis die dortigen Städte erstunter die persische, dann die arabische Herrschaft gelangten.Nicht als ob ihre Blüte damit aufhörte; aber sie gingendem byzantinischen Reiche verloren. In den althellenischenStädten nahmen sie unter den byzantinischen Kaisern sogareinen neuen Aufschwung; vor allem aber blühten sie in derneuen Hauptstadt, in Konstantinopel.

Was zum neuen Aufschwung von Gewerbe und Handelim byzantinischen Reiche besonders beitrug, war die Ein-führung der Seidenwurmzucht im byzantinischen Reich im

1) Strabo IX, Kap. 2 (401).