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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft. 203

Thessalonich wird als reiche, blühende Stadt ge-schildert; nicht bloß wegen der Mannigfaltigkeit seinerlandwirtschaftlichen Produkte, sondern wegen seines großenGewerbbetriebs, des lebhaften Verkehrs in seinem Hafen,wegen seiner Beziehungen zum Westen, die ihm die großeHeerstraße, die sich vom Thermaischen Golf bis zur Adriazog, brachte. Eine große Menge von Fremden und Einge-borenen füllte seine Straßen und besonders seinen Markt.Zur Zeit der großen Messe, die am Namenstag des Stadt-heiligen Demetrius stattfand, traf man da eine Menge vonHellenen, besonders Seidenhändler aus Theben, ferner Sla-wen, Italiener, Franzosen, Spanier und Mohammedaner.Seine Werkstätten, worin Kupfer, Eisen, Zinn, Blei ver-arbeitet und Glas hergestellt wurden, waren so groß, daßsie für eine doppelt so große Stadt genügt hätten. SeineEinwohner waren durch Wohlstand ausgezeichnet, wovonder hier herrschende Luxus Zeugnis gibt. Viele darunter be-saßen großen Reichtum an Gold, Silber und Edelsteinen.Die Stoffe aus Seide waren dort so häufig wie anderwärtsdie aus Wolle x ).

Andere durch den Handel blühende Städte waren Du-razzo, Ancona, Korfu, Vonitza, Koron, Nauplia ,Athen, Chalkis , Demetrias, Chrysopolis, Peri-theorion, Abydos, Rhodosto, Adrianopel , Apros,Heraklea, Selyvria * 1 2 ).

Indes alle Städte des byzantinischen Reichs wurden inSchatten gestellt durch die Hauptstadt Konstantinopel. IhreEinwohnerzahl wird auf 500 000 Seelen beziffert 3 ). Hierwar der Sitz des Hofs, und auch dieMächtigen, dieGroßgrundbesitzer der Provinzen, hatten hier ihre Paläste,von denen aus sie ihre Intrigen spannen, um für sich und

Hof oder am Altar; sie glitzerten von kostbaren Steinen, und dieUmrisse der darauf angebrachten Figuren waren mit orientali-schen Perlen gezeichnet. Vgl. Gibbon, Decline and fall,Chapt. LIII. Hopf, a. a. O. S. 128.

1) Papagarrigopoulo, a. a. O. p. 293.

2) Ebenda p. 294. 3) Ebenda p. 292.