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Die byzantinische Volkswirtschaft.
welche die Byzantiner im Kriege so erfolgreich zur An-wendung brachten, sowie die Schilderung Luitprands überdie brüllenden Löwen und die singenden Vögel, die denThron des griechischen Kaisers umgaben, und den Aufzug,der ihn bei Audienzen den erstaunten Augen der Gesandtenbarbarischer Völker entschwinden ließ. Freilich fehlenjedwede Nachrichten, ob technische Erfindungen auch dergewerblichen Produktion dienstbar gemacht wurden.
Neben den kapitalistischen Betriebsformen von Haus-industrie und Manufaktur und dem Großhandel finden wirden Kapitalismus in ununterbrochener Fortdauer seit derantiken Welt im Bankwesen, in der Reederei und im Kriegs-wesen des Reichs. Desgleichen hat bis zum Ende des ost-römischen Reichs die Ausführung öffentlicher Arbeitenund die Einsammlung der Staatseinnahmen auf kapitalisti-scher Grundlage stattgefunden. Wie der römische Staatnicht in eigener Regie gebaut hatte, so vergab der byzantini-sche alle öffentlichen Arbeiten an den Mindestnehmendenim Wege der Submission und die Erhebung der Staatsreinnahmen, insbesondere der Steuern und Zölle, an denMeistbietenden 1 ).
Der Geldreichtum, der durch die hier vorgeführtenErwerbsarten im byzantinischen Reich und besonders inKonstantinopel angehäuft wurde, hat es zum Märchenlanddes frühen Mittelalters gemacht und, wie zum Mittelpunktdes Verkehrs und zum Reiche, wohin die golddurstigeJugend aller Nationen strömte, um als Söldner ihr Glückzu machen 2 ), so zur Zielscheibe der Angriffe aller Völkerdes Morgen- wie Abendlands.
1) Vgl. Deloume, Les manieurs d’argent ä Rome. Paris 1889, p. 44, 95. Henri Monnier in der Nouvelle revue histo-rique du droit fran^ais et etranger XXIV, 305.
2) Ein Beispiel: Harald III. Hardraade, der 1047 den nor-wegischen Thron bestieg, diente von 1033—1044 als Oberfeld-herr der fremden Leibwache der Waräger. Im byzantinischenDienste bekämpfte er die sarazenischen Piraten im ÄgäischenMeer und die Bulgaren zu Lande, und kehrte 1043 mit Schätzenso reich beladen, daß kaum 12 Jünglinge die Masse des Goldestragen konnten, in die Heimat zurück. (Vgl. Ad am. Bre m ensis,