Die byzantinische Volkswirtschaft.
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Edikten 1 ) erfüllt. Der Wiedereroberer von Kreta , der soAußerordentliches zur Erneuerung des Glanzes des Reichesgeleistet, ging ganz in dieser Fürsorge auf. Und eben daherauch sein merkwürdiges, gegen die Habsucht des Klerusgerichtetes Edikt 2 ); seine großen Würdenträger und Äbtegehörten zu den Mächtigen, gegen welche der Gesetzgeberdie Geringen zu schützen bezweckte, und gerade sie habenganz besonders zur Aufsaugung des Bauernstandes beige-tragen.
Das Edikt ist ausgefertigt 964, im ersten Regierungs-jahr des Nikephoros, und besagt: „Das Wort des ewigenVaters, der Erlöser, welcher uns den Weg des Heiles zeigt,hat Reichtümer für ein wesentliches Hindernis der Selig-keit erklärt, indem er vor allem Überflüssigen so ernstlichwarnte, daß er uns sogar verbot, einen Stock und einenRanzen zu tragen, zwei Oberkleider zu besitzen und imvoraus für den kommenden Tag zu sorgen. Wenn ich aberins Auge fasse, wie es heutzutage in Klöstern und anderenheiligen Häusern zugeht, weiß ich gar nicht, wie eine ge-wisse schwere Krankheit — denn wahrlich, eine Krankheitist es, was ich meine — geheilt werden mag. Haben dieheiligen Väter, die Leuchten des Glaubens, ihr Leben damitzugebracht, Schätze über Schätze aufzustapeln? Nein, dastaten sie nie; aber wohl machen es diejenigen so, welcheSchüler, Nachfolger dieser Heiligen zu sein behaupten. Täg-lich, ja stündlich ist ihr Dichten und Trachten dahin ge-richtet, unermeßliche Landgüter zu erlangen, prächtigeBauten aufzuführen, Herden von Pferden, Ochsen, Kamelen,Kleinvieh zu erwerben.“
„Das Gebaren dieser Mönche und Kleriker unter-scheidet sich in nichts von dem weltlichen Treiben; währenddoch der Erlöser das Gegenteil anbefiehlt. Steht nicht imEvangelium: ,Ihr sollet nicht sprechen, was werden wiressen, was werden wir trinken?', und hält er uns nicht die
1) Zachariae, Jus Graeco-Romanum Novellae, Coli. III.Nov. 18.
2) Ebenda Nov. 19, 20, 21.
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