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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft.

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Wesen der Dinge einzudringen vermögen, diese meine Ver-ordnung, als dem öffentlichen Wohle entsprechend, billigenund segnen werden.

In dieser Erwartung wurde der Kaiser bitter enttäuscht.Er selbst 1 ) war ein Mann von wahrhaft asketischerFrömmigkeit, der in härenem Untergewand ging und amliebsten den kaiserlichen Purpur mit dem Mönchsgewandvertauscht haben würde. Er selbst hatte das Kloster Laurosauf dem Berge Athos gestiftet und wird dort noch heuteals Heiliger verehrt. Aber alle seine außerordentlichen Ver-dienste um das Reich und seine Frömmigkeit wogen in denAugen der in ihren weltlichen Interessen gekränkten Geist-lichkeit das Verbrechen nicht auf, das er in ihren Augendurch seine gegen das Bauernlegen der Klöster erlassenenVerfügungen begangen hatte. Es ist ihm wie den Isauriern,wie Karl Martell und allen denen ergangen, welche imMittelalter sich gegen die Verweltlichung der Kirche undihren überwuchernden Besitz erhoben haben. Er wurde derGegenstand blutigen Hasses eben der Geistlichkeit, und alser bald darauf den Mordanschlägen seines buhlerischenWeibes und des Johann Tzimisces zum Opfer fiel, jubeltenGeistlichkeit und die betörte Menge; und noch nachseinem Tode ist er als fanatischer Religionsfeind hin-gestellt worden; ja selbst noch im 19. Jahrhundert kannder ultramontane Geschichtsschreiber Gfrörer 2 ) sich nicht

1) Vgl. über ihn Sc h 1 um berge r, Un empereur byzantinau X me siede, Nicephore Phocas. Paris 1890. Ein anschaulichesBild aller Zeitverhältnisse gibt der auf Grund der Quellen ge-schriebene Roman von Frederic Harrison, Theophano, Thecrusade of the tenth Century, a romantic monograph. London 1904. Hierher gehören besonders Kapitel 28 bis zum Schluß.

2) Siehe Gfrörer, a. a. O. S. 59ff. Ihm scheint Dr. CarlNeumann, Die Weltstellung des byzantinischen Reiches vorden Kreuzzügen, Leipzig 1894, S. 56, zu folgen, obwohl erselbst hervorhebt, daß Nikephoros Phokas die Grundzüge derBauernschutzpolitik, soweit sie die Erhaltung des Solatenstandesbezweckte, billigte. Wenn Nikephoros das Wertmaß der Sol-datengüter um das Dreifache erhöht hat, so liegt der Grund, wieN e u m a n n selbst angibt, in den erhöhten Ansprüchen an die