Die byzantinische Volkswirtschaft.
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„Auf unseren Reisen durch das Reich und auch sonstsind unzählige Klagen an uns gelangt, daß das Eigentumder Armen fortwährend von Reichen und Mächtigen ver-schlungen oder vorenthalten wird, sintemalen letztere desBesitzes von Grundeigentum — mögen sie es auch auf un-gerechte Weise erworben haben — sich versichert wähnen,sobald es ihnen gelingt, die Armen, die aus dem Besitzeverdrängt wurden, während eines Zeitraums von 40 Jahrendurch List oder Gewalt an Anstellung einer gerichtlichenKlage zu hindern“.. A).
„In der angegebenen Weise haben die Geschlechter dervon Maleia und der Phokas unermeßliches Gut an sich ge-bracht und bis auf den heutigen Tag behauptet. Konstantinvon Maleia, der Patrizier, und dessen Sohn, Eustathius, derGeneral, sind seit 100 Jahren, vielleicht seit 120 Jahren, imungestörten Besitz widerrechtlich erlangter Ländereien.“
„Ebenso die Phokas , welche vom Großvater bis aufdie Enkel herab seit mehr als einem Jahrhundert fast un-unterbrochen widerrechtlich erworbene Güter festzuhaltenwußten. Auch erst neuerdings sind Emporkömmlinge zugleicher Höhe aufgestiegen. Da ist ein gewisser Philokales,von Haus aus ein Bauer, der, solange er in niedrigemStande blieb, von seiner Hände Arbeit lebte und dieselbenSteuern entrichtete wie die übrigen Bauern, aber nachdemer Hofwürden erlangt hatte, große Ländereien erschlich.Nicht ungestraft ging ihm solches hin. Als wir in dieGegend kamen, wo seine Güter lagen, und die Klagen derervernahmen, die durch ihn aus ihrem Besitz verdrängtworden waren, haben wir angeordnet, daß die von ihm auf-geführten Bauanlagen vom Grunde aus zerstört, und dieÄcker, welche er den Armen entrissen hatte, denselbenzurückgegeben würden. Jetzt sitzt er wieder auf der Steuer-hufe, die er vor Jahren besaß, und ist wieder, was er vonHaus aus gewesen, — ein Bauer.“
1) Man erinnere sich (siehe oben S. 222), daß die Frei-gelassenen und Kolonen der Mächtigen sich gegen sie nur mitErlaubnis der Behörden beklagen konnten.