Druckschrift 
Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234 Die byzantinische Volkswirtschaft.

auch gegen Philokales wären sie wohl nicht angewendetworden, hätte er zu den von Geburt Mächtigen gehört; erwar eben nur ein emporgekommener Bauer. Die Folgewar, daß nach dem Tode Basilius II. die Krone in nochhöherem Maße als vorher ein Kampf Objekt der großenkleinasiatischen Adelsfamilien wird. Sie haben Besitzungenso groß, daß jede ein ansehnliches Heer zu halten vermag,und auch auf der Balkanhalbinsel fehlt es nicht an solchenFamilien * 1 ). Ein jeder Kaiser muß, um seine Autorität zurGeltung zu bringen, daher nicht bloß den äußeren Feindendes Reichs die Spitze bieten, sondern vor allem die Groß-grundbesitzerfamilien sich unterwerfen. Daher denn auchdie Notwendigkeit, solchenMächtigen gelegentlich einnur für ein beschränktes Gebiet gültiges Kaisertum zuzuge-stehen, wie jenem Melissenus, von dem Anna Komnena imzweiten Buch des Lebens ihres Vaters berichtet, und daherauch die Leichtigkeit, mit der nach der Eroberung vonKonstantinopel durch die Lateiner in Kleinasien neue grie-chische Kaiserreiche entstehen. Das Kirchengut aber nahmseit Nikephoros Phokas und Basilius II. wieder so zu, daßzur Zeit, da die Türken dem byzantinischen Reiche dasEnde bereiteten, die Hälfte seines Grund und Bodens derKirche und den Klöstern, und zwar den letzteren allein einDrittel desselben, gehörte 2 ). Der freie Bauernstand aberwar völlig untergegangen.

So finden wir im byzantinischen Reich eine Grund-eigentumsverfassung, welche in allem und jedem der im

sogar die von diesem gemachten reichen geistlichen Stiftungensehr stark beschnitten hat; dabei handelte es sich aber um einenAkt der persönlichen Rache, der kraft kaiserlicher Machtvoll-kommenheit stattfand, ebenso wie bei der Einziehung des Ver-mögens des im Edikte des Basilius II. genannten Eustathios nachdessen Tode. Es wird nicht berichtet, daß die Konfiskationenbeider Vermögen gerade auf Grund der Bauernschutzedikte statt-gefunden haben.

1) Man vergleiche, was Anna Komnena im 1. Buch derDenkwürdigkeiten aus dem Leben ihres Vaters Alexius Kom-nenus über die Besitzungen des Wilhelm Maskabeles berichtet.

2) Vgl. Ferradou, a. a. O. S. 165, 249.