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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft. 237

den Venezianern, Genuesen und den Kaufleuten andereritalienischer Städte zuteil geworden sind, müssen sie be-trächtlich gewesen sein. Noch mehr weist auf die hohenErträge, die das Reich aus indirekten Steuern und Erwerbs-einnahmen bezog, das große Einnahme- und Ausgabebudgetdes byzantinischen Reiches. Justinian muß zur Bestreitungseiner Kriegsausgaben, seiner Tribute an Barbaren und derKosten seiner Bauten enorme Einnahmen gehabt haben.Für das 9. Jahrhundert hat man berechnet, daß die da-maligen Kaiser allein aus Konstantinopel ein Jahresein-kommen von 8 300 000 Goldsolidi, mehr als 550 MillionenGoldfranken im Werte vor dem Weltkrieg, zogen, und daßdie Gesamteinnahmen des Reiches um dieselbe Zeit 650 Milli-onen Goldsolidi, was mehr als 3 Milliarden Goldfrankenwären, betrugen. Beim Tode des Basilius II. fanden sich220 Millionen Goldsolidi, mehr als 1 Milliarde Goldfranken,im Staatsschatz 1 ).

All diese Geldeinnahmen flössen aus Wirtschaften, dieauf kapitalistischer Grundlage aufgebaut waren. Der großeReichtum 2 ), welchen der Handel in den Städten des byzan-

1) Siehe Demetrius Bikelas, Die Griechen des Mittel-alters und ihr Einfluß auf die europäische Kultur. Gütersloh 1878,S. 75, 76. Ch. Diehl, £tudes Byzantines. Paris 1905, p. 124ff. Ernst Stein (Wien ) hat die im Texte wiedergegebenen ZiffernDiehls als zu hoch bezeizchnet. Nach ihm befanden sich beimTode des Basilius nur 14 400000 Goldsolidi im Staatsschatz. Auchhaben nach ihm der genannte Einnahmenetat nicht 650 000 000,sondern nur 43000 000 Goldsolidi und die Einnahmen aus Kon-stantinopel allein nur 8 000000 Goldsolidi betragen. Ich überlassedie Entscheidung der Meinungsverschiedenheit den byzantinischenFachgelehrten. Für meine Betrachtung handelt es sich nur umden Gegensatz der byzantinischen zu den westeuropäischenReichen.

2) Nichts bezeichnender als die Antwort, welche im Jahre 968die kaiserlichen Beamten Luitprand, dem Gesandten Kaiser Ottos I.,gegeben haben, als dieser mit Repressalien drohte:Mit dem Golde,das wir besitzen, werden wir alle Völker der Welt gegen ihn inden Kampf führen; wir werden ihn zerbrechen wie einen irdenenTopf, der nicht wieder zusammengeflickt werden kann, wenn ereinmal zerbrochen ist.