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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft.

tinischen Reiches aufgehäuft hatte, ermöglichte ihm, dieSöldnerheere und Flotten zu erhalten und die Tribute aneinfallslüsterne Barbaren zu bezahlen, womit es sich tausendJahre länger als das weströmische Reich erhalten hat. Denersten verhängnisvollen Stoß hat es erhalten, als im 7. Jahr-hundert die Araber ihm die syrischen Städte und Ägypten entrissen. Die drei großen Soldatenkaiser Nikephoros II.Phokas, Johann Tzimisces und Basilius II. haben in derzweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Inseln Kreta undCypern, die syrischen Städte dem Reiche zurückgewonnenund die Fahnen über den Euphrat getragen; Antiochien kamnach 330 jähriger Trennung zurück an das Reich. Aberdie Folge war die Sperrung des Euphrat für den Handelgewesen. Die großen Handelsstädte im nördlichen Syrien gingen zugrunde. Der indische Mittelmeerhandel konnteseinen Weg nicht mehr über den Persischen Meerbusen,den Euphrat und Antiochien nehmen. Er wurde auf denWeg durch das Rote Meer und den Nil beschränkt. Dashat Kairo als Handelsplatz in die Höhe gebracht und denAufschwung Venedigs bewirkt. Venedig und die übrigenitalienischen Städte haben nun in steigendem Maße direktvon Ägypten die asiatischen Waren geholt; Konstantinopelbegann für deren Bezug überflüssig zu werden. Die unver-gleichlich größere Rührigkeit der Italiener hatte für dieByzantiner den Verlust eines Handelsgebietes nach demanderen zur Folge. Von da ab war das Reich in der Haupt-sache Kleinasien . Die dort von je heimische feudale Wirt-schaftsorganisation erlangte allenthalben im Reich Schrittfür Schrittt das Übergewicht. Außerordentlich energischenKaisern, wie denen der makedonischen Dynastie, ist es ge-lungen, durch außerordentlich scharfe Anspannung derSteuerkraft lediglich vom Kaiser abhängige Söldnerheereund Flotten zu erhalten, mittels deren sie die kaiserlicheAutorität im Innern wie nach außen aufrechterhaltenkonnten. Aber der Steuerdruck war auf die Dauer unerträg-lich und die Wirkung der zurückgehenden Geldeinnahmenwar, daß die Privatheere, welche die Großgrundbesitzer aufihren Grundherrschaften hielten, eine immer wachsende