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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die klassische Nationalökonomie

Axioms von dem erleuchteten, alles beherrschendenStreben nach dem größtmöglichen Vorteil. Denn ist diesesrichtig, so ergibt sich auch von selbst, daß ein jedernur das her stellt, was jeweilig am meisten begehrtwird; die Voraussetzung, welche Karl Marx als selbst-verständlich vorhanden annimmt, daß das mit derArbeit Hergestellte Gebrauchswert habe, ist dannwirklich gegeben, und mit Notwendigkeit ergeben sichdaraus seine weiteren Folgerungen. Allein gerade hierhat am frühesten eine Rückkehr zur unmittelbarenBeobachtung der Vorgänge des Lebens stattgefunden,in Deutschland durch Hermann und Schaefile, in Eng-land durch Jevons , und angesichts der Verdienste,welche neuerdings insbesondere die Schule Karl Mengerssich um die Klarstellung dieser Irrtümer erworben hat,genügt es hier, ihrer nur zu erwähnen.

Dagegen muß ich etwas nachdrücklicher an dieganz abstrakte Betrachtungsweise der klassischenNationalökonomie erinnern, wo sie das Verhältnis derArbeiter zueinander und zum Arbeitgeber behandelt.Ricardo, James Mill , Mc Culloch kennen eigentlich garkeine Arbeiterklasse, noch weniger die verschieden-artigen Klassen von Arbeitern, die Verhältnisse, indenen sie leben, die Beweggründe, welche ihr Handelnbestimmen. Sie kennen eigentlich auch keine Arbeit-geber. Nach der klassischen Nationalökonomie ist derLohn bestimmt durch das Verhältnis der Bevölkerungzum Kapital. Unter der Bevölkerung versteht siehierbei eine Menge vereinzelter Personen, als dereneinziges charakteristisches Merkmal zu verzeichnenist, daß sie kein Kapital haben. Sie spekulieren mitihrer Arbeit gleich Kaufleuten mit ihren Waren undmachen sich gleich diesen Konkurrenz. Wie ein Kauf-mann, der bei sinkenden Zucker- und steigenden Kaffee-preisen sein Kapital ans der einen Anlage zurückzieht,