Die klassische Nationalökonomie
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sehend, daß sie ausreichte, die Höhe der gezahltenRenten und Preise zu erklären.
Die Renten, wie sie im 18. Jahrhundert in Schott-land bezahlt wurden, beruhten meist auf dem Her-kommen, und nach Maine ist dies noch heute teilweiseder Fall. Diese herkömmlichen Renten aber stammtenaus Unfreiheits- und Feudalitätsverhältnissen. Beiihrer Bemessung war nicht bloß die Verschiedenheitin der natürlichen Fruchtbarkeit oder der Lage derGrundstücke maßgebend gewesen, sondern ebenso, jameist noch mehr, eine Fülle von subjektiven Beziehungenzwischen dem Grundherrn und dem Unfreien. Die Folgewar: wenig fruchtbare Grundstücke konnten größereRenten abwerfen als äußerst fruchtbare; ja, es wurdennoch Renten für nahezu unfruchtbare Grundstücke be-zahlt, wobei nämlich Teile dessen, was anderwärtsden Arbeitern als Arbeitslohn blieb, abgeführt wurden.Nach den Voraussetzungen der klassischen National-ökonomie war dies freilich unmöglich. Daher war sieauch ganz hilflos gegenüber solchen Erscheinungen;und es ist wahrhaft komisch zu sehen, wie sie sichwindet und dreht, um die Tatsache, daß auch die un-fruchtbarsten Grundstücke Renten abwerfen, mit ihrerLehre in Einklang zu bringen. Hätte sie, statt vonihren abstrakten Menschen auszugehen, vorurteilslosin das wirkliche Leben hineingesehen, so wäre die Er-klärung so einfach gewesen.
Und auch da, wo die letzten Spuren vergangenerUnfreiheits- und Feudalitätsverhältnisse längst ver-schwunden sind und die Menschen dem Boden gegen-überstehen mit dem Streben, die ihnen verfügbarenwirtschaftlichen Kräfte rücksichtslos auszunutzen,decken sich ihre Deduktionen nicht mit dem wirklichenLeben.