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einen Umschwung angebahnt. Eine Reihe von Gesetz-gebungen hat sich vom Banne der abstrakten Theorielosgemacht, die tatsächlich bestehende Verschiedenheitvon Ertragswert und Kaufswert anerkannt undwenigstens für Erbteilungen die Veranschlagung nachdem Ertrage statt nach den Kaufpreisen angeordnet.
Angesichts dieser so wenig erfreulichen Ergebnisseauf den wichtigen Gebieten, die hier berührt wurden,muß es aber sonderbar anmuten, wenn John Mill undandere nach ihm die klassische Nationalökonomie damitzu rechtfertigen suchen, daß ihre Deduktionen, wennauch nicht zu Sätzen, die mit der Wirklichkeit über-einstimmten, so doch zu hypothetisch richtigen Lehr-sätzen führten.
Denn die hier beanspruchte Anwendung von Hypo-thesen ist von der üblichen sehr weit verschieden.
Gewiß kann es niemand geben, der sich nichtfreuen würde, wenn jemand auch unter Annahme vonBedingungen, wie sie der Wirklichkeit nicht ent-sprechen, zu Ergebnissen kommt, welche das wirklicheLeben erklären. Sobald nur die Wahrheit erkanntwird, ist der Weg gleichgültig, auf dem man zu ihrgelangt; und wer bewundert nicht die Untersuchungen,mittelst deren uns Thünen die Kenntnis des Standortsder verschiedenen Landwirtschaftssysteme gebracht hat!Allein anders, wenn nicht nur die Voraussetzungenwillkürliche sind, sondern auch das Ergebnis nicht zurErklärung der Wirklichkeit führt, oder gar, wenn dieVoraussetzung von der treibenden Kraft mit der Wirk-lichkeit annähernd übereinstimmt und trotz aller Folge-richtigkeit der Deduktion das Ergebnis mit dem Lebenim Widerspruch steht. Dies nämlich ist bezüglich dervorhin berührten Lehren vom Arbeitslohn und von derGrundrente der Fall. Sie decken sich nicht bloß danicht mit dem Leben, wo Arbeiter und Bauern und