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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die klassische Nationalökonomie

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Pächter außer vom wirtschaftlichen Egoismus auch vonanderen Beweggründen geleitet werden; auch unterVerhältnissen, in denen das rücksichtslose Seihstinteressedie bestimmende Triebkraft ist, sind sie falsch, undzwar deshalb, weil der wirtschaftliche Egoismus nichtunter allen Verhältnissen sich gleichmäßig äußert, dieVerhältnisse, die ihn beeinflussen, aber so mannigfaltigund kompliziert sind, daß weder sie und noch wenigerihre Wirkungen sich vorhersehen lassen. Hat doch ausdemselben Grunde um noch auf etwas von all-gemeinerer Bedeutung zu verweisen die klassischeNationalökonomie aus dem wirtschaftlichen Egoismusnur die Konkurrenz abgeleitet, nicht aber a priorierkannt, daß, so oft eine Unfähigkeit, das Angebot vomMarkte zurückzuziehen, den Vereinzelten die Möglich-keit nimmt, den Preis der Ware auf der Höhe derKosten zu halten und darüber zu steigern, das Selbst-interesse statt zur Konkurrenz zur Vereinigung führt,zu Fusionen, Kartellen und Koalitionen.

Dazu kommt ferner, daß bei dem Verlangen, dieklassische Nationalökonomie wenigstens als eine hypo-thetisch richtige Lehre gelten zu lassen, für ihreHypothese nicht etwa Berechtigung als für eine Unter-suchungsmethode, sondern als für ein Lehrgebäude inAnspruch genommen wird, etwas, wofür in anderenwissenschaftlichen Disziplinen nur die Lehre von dervierten Dimension ein Analogon bietet.

Endlich aber, selbst angenommen, man könntedieses Lehrgebäude als hypothetisch richtig anerkennen,würde es angelien, sich bei einem aus einer einzigenTriebfeder des Handelns abgeleiteten volkswirtschaft-lichen Systeme zu beruhigen, wenn nicht gleichzeitiggelehrt würde, welche Beweggründe daneben tätig sind,und in welcher Weise sie die Wirkungen jener Trieb-feder beeinflussen ? Das letztere hat aber die klassische