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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die klassische Nationalökonomie

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Dies sind die Märkte 1 ). Hier treffen die Ange-hörigen der verschiedenen Genossenschaften zusammenzu anderen Zwecken als denen der gegenseitigen Be-fehdung. Hier findet ein friedlicher Austausch unterden verschiedenen Genossenschaften statt.

Allein war der Markt, durch besondere Heilig-tümer geschützt, auch der neutrale Punkt 2 ), an demdie Mitglieder der verschiedenen Dorfgenossenschaftenin Sicherheit sich begegnen konnten, so fand derAustausch unter ihnen doch unter ganz anderen Be-dingungen statt wie der unter den Genossen desselbenDorfes. Beim Austausch unter Dorfgenossen war derPreis durch Autorität und Herkommen bestimmt; unterMitgliedern der verschiedenen Dorfgenossenschaftenwurde gehandelt lediglich mit Rücksicht auf den größt-möglichen Gewinn. Der Fremde blieb, auch wo manihm nicht mit dem Speere entgegentrat, immer derFeind, den es sogar löblich erschien eventuell zu über-vorteilen 3 ). Hier entstand die Vorstellung vom Rechteeines jeden, den bestmöglichen Preis zu erzielen. Sieist die Maxime für den Handel mit Fremden, d. h. mitFeinden, im Gegensatz zum Verkehr mit Dorfgenossen.Von jenen neutralen Märkten aus verbreitete sie sichüber die Welt. Allein in dem konservativsten Lande,in Indien, hat sich der Unterschied zwischen demHandel unter den Dorfgenossen und dem mit Fremdennoch heute in voller Schroffheit erhalten. Für denersteren bestimmt noch heute ausschließlich das Her-kommen den Preis; für eine Ware des inneren Dorf-

') Vgl. dazu Goldschmidt, Handelsrecht, 3. A. 1 24, 49. ÜberSeehandel und Seeraub, ebenda 27.

2 ) Vgl. auch die geistreichen Aufsätze von Dr. A. Peez,Dolmetscher und Dolmetscher Städte, in der Münchener All-gemeinen Zeitung, 1887, Nr. 184 und 185.

) Vgl. auch 5. Mose 14, 21. Leviticus 25, 44 ff.