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Dies mußte eine nahezu feindliche Haltung sowohlgegenüber der natürlichen Stellung der Menschen zuden wirtschaftlichen Gütern, als auch gegenüber derHaupttriebfeder des wirtschaftlichen Handelns undebenso gegenüber der weiteren Entwickelung des Wirt-schaftslebens zur Folge haben.
Ist doch der Gegenstand der Wirtschaftslehre dasIrdische und ihre Aufgabe die Untersuchung der Be-dingungen, welche die Zunahme und Verteilung derirdischen Güter bestimmen. Das Evangelium dagegenhatte die Menschen verschiedentlich vor dem Trachtennach Reichtum gewarnt 1 ), und die Kirchenväter hattenseine Lehre in alle ihren Konsequenzen ausgebildet.Daher ihre Lehre von der Verdienstlichkeit der Welt-flucht, Lossagung vom Materiellen, Unterdrückung desSinnlichen, Zurückziehung des Geistes in sein eigenesSelbst erschien als die höchste Aufgabe des sittlichenStrebens, Entsagung dem Irdischen und allem Eigen-tum als die höchste Vollendung.
Während neuere Nationalökonomen von demMenschen ausgehen als von einem Wesen, das von demStreben nach Reichtum beherrscht ist, hatte der heiligeHieronymus geschrieben 2 ): Dives aut iniquus, aut
*) Vgl. Matth. VI 19, 20, 24—34. Lucas XII 33, 34, 22—30.Marcus IV 19. — Matth. XIX 21. Marcus X 21. Lucas XVIII 22.—Lucas VI 20, 21, 24, 25. Vgl. auch Jacob. I 9—11, II 1, 5, 6,V 1, 5, 6.
2 ) „Onines enim divitiae de iniquitate descendunt, et nisialter perdiderit, alter non potest invenire. Unde et illa vulgatasententia mihi videtur esse verissima. Ditfes aut iniquus, aut ini-qui haeres.“ Hieronymus ad Hedibiam. Migne, Patrologia latinaXXII 984. Der katholische Kirchenhistoriker Funk hat in denhistorisch-politischen Blättern (139, 12. S. 888ff.) den hl. Hierony-mus als meinen Hauptgewährsmann bezeichnet und gegen denseiner Schrift ad Hedibiam entnommenen Satz geltend gemacht,daß es sich bei demselben um ein Zitat handle und zwar um ein