38
Lu jo Brentano
Kommunismus*). Wie die Luft nicht Sondereigentumwerden kann, noch das Licht der Sonne, so sollte auchdas übrige in der Welt, was allen gemeinsam gegebenist, nicht verteilt, sondern gemeinsam besessen werden * 2 ).Das Eigentum erscheint ihnen nur als ein infolge desSündenfalls notwendig gewordenes Übel. Es mag da-her im gewöhnlichen Leben geduldet werden. Aberniemand soll so unverschämt sein, das für sein Eigen-tum zu erklären, was über seinen Bedarf vom Gemein-gut entnommen ist 3 ). Die Nutzung alles dessen, wasauf der Welt ist, sollte allen Menschen gemein sein;ungerechterweise nennt der eine dies, der andere jenessein Eigen, und so ist Zwietracht unter den Menschenentstanden 4 ). Besitzt ein Mensch mehr, als er nötighat, so ist er verpflichtet, seinen Überfluß den Armenzu geben 5 ).
Erscheint somit der Reichtum als ein so großeGefahr für die Seele, so war es nur folgerichtig, wenndie Kirchenväter mit ihrer kraftstrotzenden Beredsam-keit den Handel verurteilten. Denn der Handel erschienvon Anfang an als Träger des verpönten Strebensnach dem größtmöglichen Gewinn. Daher 6 ): „Nullus
*) Ygl. Decr. Grat. I D. 1. c. 7. Isidor in V libro Ethymo-logiarum. c. 4 Migne LXXXII, 199.
a ) Vgl. Decr. Grat. II C. 12 qu. 1. c. 2. Der im Text stehendeSatz ist von Pseudoisidor. Das beweist aber nur, daß dieser imSinne der Kirchenvater Stellen erfunden hat.
3 ) Operum Seti Ambrosii Mediolanensis episcopi tom. V. Paris 1561 p. 92, 93.
*) Vgl. Decr. Grat. II C. 12. qu. 1. c. 2. Pseudoisidor.
®) Vgl, Augustinus in Migne , Patrol. lat. t. 83 p. 808. 809.
V „Kjiciens Dominus vendentes, et ementes de templo, signi-Üofivit, quin horno mercator vix, aut nunquam potest Deo placere.Et ädeo nullus Christianus debet esse mercator, aut si volueritesse, projieiatur de ecolesia Dei.... Sed omnes homines videntoresse memitores, Ostendem ergo, qnis non est negotiator, ut qui