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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Gläubigen. Der Schwerpunkt also lag nach ihm indem Einzelnen.

Die Calvinistische Kirchenverfassung erregte dieFurcht der Fürsten . Sie waren gelehrige SchülerMachiavellis geworden. Das Schicksal hatte es gewollt,daß das Buch des freiheitsdürstendeu Patrioten zueiner Fibel der Willkürherrschaft geworden, zur Lehreeiner Staatsräson, welche dem Fürsten jedwede Nieder-trächtigkeit gestattete, wenn dies in seinem Interessegelegen sei. Diese Staatsräson verlangte, sich dieReligion als Polizeianstalt zu unterwerfen 1 ). Hieraber war eine religiöse Lehre, welche die Unabhängig-keit der Gewissen gegenüber Autorität und Traditionproklamierte und eventuell sogar Widerstand in Aus-sicht stellte. Geschickt wurde dies gegen die Neuererausgeniitzt. So wurde der Kampf um die neue Kirchen-verfassung tatsächlich zu einem Kampfe zwischen derheidnischen und der Renaissance auf christlicher Grund-lage, und in diesem Kampfe machten die Gegner derletzteren sich den Machiavelli, so wie man ihn damalsauffaßte, dienstbar. Die Zeiten, da man Machiavellis Schriften mit pästlicher Genehmigung hat druckenlassen 2 ), waren zwar längst einer Bekämpfung derselbendurch die Jesuiten gewichen 3 ). Aber diese Bekämpfungwar nur formell 4 ), und vielfach triumphierte der formellbekämpfte Machiavelli in verhängnisvoller Weise in

*) Vgl. Machiavelli, Discorsi I cap. 1116.

2 ) Siehe Burds Einleitung zu seiner Ausgabe des Principe c. 2.

3 ) Vgl. Villari II 371. Burd, a. a. 0. 48.

4 ) Vgl. Mariana, De rege I, 7; ferner Lord Actons Ein-leitung zu Burds Ausgabe des Principe. Bottero ging sogar soweit, während er formell Machiavelli bekämpfte, alle seine Mittelzur Bekämpfung Andersgläubiger zu empfehlen. Vgl. Ferrari a. a. 0. pp. 299 ff.