Druckschrift 
Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Ethik und Volkswirtschaft in der Geschichte

67

liehen Schriften : ) zeigen uns den Schüler Bacons. Erbeobachtet und erklärt das Beobachtete aus der Naturder Dinge. Namentlich die Handelsbeschränkungenseiner Zeit und die Geldausfuhr verböte lassen ihn er-kennen , daß die natürliche Ordnung stärker ist alsalle positiven Gesetze. Nicht als ob er ein prinzipiellerFeind von Staatseinmischung wäre. Aber getreu demangeführten Satze Bacons ist er gegen alles Eingreifenentgegen der natürlichen Entwicklung; denn die posi-tiven Gesetze sind ihm nur haltbar, wo sie mit dernatürlichen Ordnung in Übereinstimmung sind. *

Mit Petty tritt also die volkswirtschaftliche Be-trachtung in Gegensatz zu der Überschätzung des Ein-flusses des Gesetzgebers, deren Machiavelli sich schuldig-gemacht hat, wie auch zum rohen Interessenten-Empirismus der Merkantilisten. Den nächsten Fort-schritt von prinzipieller Bedeutung für die entstehendeWirtschaftswissenschaft brachte Montesquieu . Erzeigte, wie in der menschlichen Gesellschaft dieeinzelnen Teile einander halten, daß man den einennicht ändern kann, ohne auch den anderen indirekt zuändern. Die Einrichtungen, Gesetze und Sitten seiennicht aus Zufall oder Laune vereint, wie in einemHaufen; sie seien durch Notwendigkeit miteinanderverbunden. Sie ständen in notwendigen Korrelat-verhältnissen, die es gilt zu begreifen.

Dies waren gegenüber Machiavelli und der An-wendung, welche seine Lehren auf wirtschaftlichemGebiete im Merkantilsystem gefunden hatten, voll-ständig neue Anschauungen. An die Stelle der Willkürdes Gesetzgebers, die bei entsprechender Intelligenz und

fl Neuerdings zum ersten Male vollständig gesammelt inSir Wm. Pettys economic writings, edited by C. H. Hüll, 2 vols.London 1900.