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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

Energie alles, auch das in sich Widersprechendste, zuleisten vermag, war die Erkenntnis des notwendigenZusammenhanges, der Gesetzmäßigkeit der wirtschaft-lichen Erscheinungen gesetzt.

Dann kamen die Physiokraten. Sie haben in derFrage, die uns beschäftigt, nur noch eines hinzugefügt:die Lehre von der Übereinstimmung dieser wirtschaft-lichen Naturgesetze mit dem Sittengesetz). Daseinzige Prinzip, das nach ihnen das Handeln des sitt-liche» Menschen beherrscht, ist der Selbsterhaltungs-trieb und der Trieb des Wohlbefindens, und wenn einMensch auf kluge Weise sein eigenes Interesse ver-folgte , würde er ein Leben vollkommener Tugendführen. Daher denn Quesnay und seine Schüler, einenbekannten Satz Bacons sich aneignend, nicht müdewerden, zu wiederholen, daß die Erkenntnis der natür-lichen Ordnung den Menschen zu Gott führe und zurErkenntnis der Weisheit und Güte der von Gott denMenschen gegebenen Gesetze.

Dieselbe Grundanschauung über die Übereinstim-mung der natürlichen Wirtschaftsordnung mit demSittengesetz findet sich auch bei Adam Smith . Manhat daran Anstoß genommen, daß A. Smith in seinerUntersuchung über die Ursachen des Nationalreichtumsder Völker den Menschen als ausschließlich vom Eigen-nütze beseelt auffaßt, während er in seinem Werke überMoral die Sympathie des unparteiischen Zuschauerszum Maßstab der sittlichen Handlung gemacht hatte.Ein Widerspruch ist nicht vorhanden, da nach AdamSmith der unparteiische Zuschauer es billigt,, wenn

') Siehe eine ausreichende Zusammenstellung ihrer dies-bezüglichen Aussprüche bei Louis de Lomönie, Les Mirabeau,t. II p. 283 ff. Paris 1879.