Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 105
ist; hört aber die Ursache des Erwerbs auf, dann auchdie Notwendigkeit, Handel zu treiben.“
Trotz der Deutlichkeit dieser Stelle hat schonThomassin ] ) den Nachweis zu führen gesucht, daßTertullian den Handel gar nicht verurteilt habe; undFunk ist ihm darin gefolgt * 2 ). Der vom Evangeliumden nach Vollkommenheit Strebenden gegebene Rat,dem Irdischen und allem Eigentum zu entsagen, hattenämlich den Christen den Vorwurf der Gemeinschädlich-keit eingetragen. In seiner Verteidigungsschrift fürdie christliche Religion und ihre Anhänger hat Tertullian erwidert 3 ), daß die Christen stets eingedenk seien, daßsie Gott als Herrn und Schöpfer Dank schuldeten,und keine Früchte seiner Werke verschmähten. „ Daherwohnen wir“, schreibt er, „in dieser Welt zusammennicht ohne den Gebrauch des Forums, nicht ohne Fleisch-markt, ohne die Bäder, ohne euere Kaufläden, Werk-stätten, Ställe, Jahrmärkte und sonstigen Verkehrs-einrichtungen; wir trelfen mit euch auf Schiffenzusammen, tun mit euch Kriegsdienst und treibenAckerbau und Handel“. Das Wort „mercamur“ sollbeweisen, daß er dies auch gebilligt habe.
Allein die Stelle zeigt nur, daß die Christen derHandelsfeindlichkeit angeklagt wurden und daß Ter-tullian in seinem Bemühen, alles vorzubringen, wasdie gegen sie erhobenen Vorwürfe entkräften konnte,hervorhob, daß von Christen auch Handel getriebenwerde. Daraus schließen zu wollen, daß Tertullian dies gebilligt habe, ist genau so, als wollte man, ent-