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gegen seinen ausdrücklichen Worten 1 ), aus dem„vobiscum militamus“ desselben Satzes den Schlußziehen, er habe es auch als für den Christen schicklichgehalten, Soldat zu werden. Ja, noch mehr! Nichtnur, daß Tertullian , wo er nicht an die Heiden, sondernan die Christen sich wendet, ausführt: aller Handelentspringt der Gewinnsucht, die Gewinnsucht ist ver-werflich, also ist auch der Handel verwerflich; er fährtsogar fort 2 ), „zugegeben, es gebe einen gerechten Er-werb , der gegen den Vorwurf der Gewinnsucht undLüge geschützt ist“, so sei selbst dieser zu verurteilen.Was er unter dem gegen den Vorwurf der Gewinn-sucht geschützten Handel versteht, kann nach dem,was Tertullian selbst gegen diese Art Handel vorbringt,keinem Zweifel unterliegen. Es ist der Handel, beidem der Händler dem Verkäufer einen gerechten Preiszahlt und sich darauf beschränkt, nur so viel zum Ein-kaufspreis zuzuschlagen, als zu seinem und seinerFamilie Unterhalt absolut notwendig ist. In der Zeitvor der Anerkennung des Christentums durch denStaat war solcher Handel nicht nur den Laien ver-stattet, sondern durfte, wie aus dem Beschluß desKonzils von Elvira um das Jahr 300 hervorgeht 3 ),selbst von Geistlichen betrieben werden. Aber Tertullian ist so sehr ein Feind des Handels, daß er selbst der-artigen nicht znlassen will, da er möglicherweise denVertrieb von Waren fördere, welche, wie z. B. Weih-rauch, auch beim Götzendienst Verwendung findenkönnten. Auch sei es keine Entschuldigung, wenn einergeltend mache, er habe nichts zu leben. Solche Aus-rede sei durch den Herrn abgeschnitten, der die
De idol. c. 19. Migne, Patr. lat. I, 767. Über den Kranzdes Soldaten c. 11. Migne , Patr. lat. II, 111.
2 ) De idol. c. 11. Migne , Patr. lat. I, 752.
3 ) Harduin, Conc. I, 252, can. 18.