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und daß der Handel bei dem Weisen wenigstens nichtvorkomme, da er niemals nach Gewinn strebe und dieirdischen Güter verachte, so glaubt Funk x ) das Gewichtder Aussprüche beider Väter durch den Hinweis be-seitigen zu können, daß sie durch die Schwierigkeit,gegnerische Einreden auf einem anderen Gebiete zuentkräften, veranlaßt seien. Danach hätte man es alsomit bloßen Fechtargumenten zu tun! Es geht aberum so weniger, die Urteile der Väter in dieser Weiseihres Ernstes zu entkleiden, als sie sich als die logischenFolgerungen aus der christlichen Grundanschauungdarstellen, welcher Minucius Felix mit den WortenAusdruck verliehen * 2 ): ,Wenn ihr uns vorwerft, daßdie meisten von uns arm sind, so ist dies nicht unsereSchande, sondern unser Ruhm. . . Wie kann man je-mand arm nennen, der nichts nötig hat, dem nichtsfehlt und der vor Gott reich ist? Weit ärmer ist der,der viel hat und noch mehr verlangt. . . Wir findenes besser, den Reichtum zu verachten; wir ziehen esvor, unschuldig zu sein.“ Und nicht anders istder Sinn der Worte des Ambrosius 3 ), wo er ausführt,das sittlich Gute und das Nützliche seien zwei sichdeckende Begriffe, nicht etwa weil das, was die Menschengewöhnlich für nützlich halten, auch das Sittliche sei.„Unter Nutzbringendem ist hier nicht Geldgewinn zuverstehen, sondern Zuwachs an Frömmigkeit“. . . „Ichdarf hier so reden, weil ich hier nicht zu Händlernspreche, welche von Gewinnsucht erfüllt sind.“
Wohl am erstaunlichsten aber ist es, wenn Funk,um zu zeigen, daß die Lehre des christlichen Altertums
') Funk, a. a. 0. 63.
2 ) M. Minucii Felicia Octavius etc. rec. Carolus Halm. Vindo-bonae 1867, p. 51.
3 ) De officiis ministr. II, c. 6. Vgl. auch ibidem c. 14. Migne, Patr. lat. XVI, 116, 127.