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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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109
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Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 109

nichthandelsfeindlich gewesen, schreibt:SelbstBischöfegaben sich mit Handelsgeschäften ab und dabei aufdie Schrift des hl. CyprianÜber die Gefallenen ver-weist, und dann fortfährt:und Kallistus, der nach-mals den Stuhl Petri bestieg, betrieb als Sklave desKarpophorus ein Bankgeschäft 1 ).

Was wir über das Leben des Kallistus wissen 2 ),steht in jener Widerlegung aller Ketzereien, welchevon den meisten dem hl. Hippolytus, dem Schüler desoben genannten Irenäus , zugeschrieben wird.

Kallistus war der Sklave eines Christen, der zumHause des Kaisers gehörte, Namens Karpophorus. Daer desselben Glaubens wie dieser war, vertraute ihmsein Herr eine beträchtliche Summe an, damit er sieim Bankgeschäft nutzbar mache. Kallistus eröffnetesomit sein Geschäft auf einem öffentlichen Platz, derPiscina publica, und mit Rücksicht darauf, daß er derAgent des Karpophorus war, erhielt er alsbald vonzahlreichen Witwen und Gläubigen bedeutende Einlagen.Nachdem er alles vergeudet hatte, geriet er an denRand des Bankerotts. Karpophorus, als er davon ver-nahm, erklärte, er werde ihn schon zur Rechenschaftziehen. Als Kallistus dies hörte, versteckte er sichaus Furcht vor dem Zorn seines Herrn und der ihmdräuenden Gefahr, floh zum Meere hin und, da er inPortus ein Schiff fand, das die Segel zu lichten bereitwar, bestieg er es, ohne zu fragen, wohin es bestimmtsei; denn er hatte kein anderes Ziel, als sich außer-halb des Bereichs seines Herrn zu bringen. Allein alldies ließ sich nicht so geheim machen, daß dieser davonnicht gehört hätte. Ohne Zeit zu verlieren, eilte er

fl Funk, a. a. 0. 63.

-) Siehe Philosophumena sive haeresium omnium confutatioed. Patricius Cruce. Pariaiis 1860, p. 436446.