Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 111
Handlung kam Karpophorus, dem man den Vorganggemeldet hatte, und sagte dem Stadtpräfekten: „Glaubenicht diesem Menschen. Er ist nicht Christ. Er sagtdies nur, um zu sterben, denn er hat mir große Geld-summen durch gebracht.“ Die Juden aber hielten diesnur für eine Lüge des Karpophorus, um seinen Sklavenzu retten, und bestürmten nur um so mehr den Präfekten.Um ihnen genug zu tun, ließ dieser den Kallistusgeißeln und schickte ihn nach Sardinien in die Berg-werke. Hier aber befanden sich andere Christen umihres Glaubens willen. Kurze Zeit darauf wandte sichMarcia, die einflußreichste Mätresse des Cornmodus —nach Döllinger J ) „eine eifrige Christin“ ; der Berichtnennt sie die „gottliebende Buhlerin des Cornmodus“ —„erfüllt von dem Wunsche, ein gutes Werk zu tun“an den damaligen Bischof von B,om um ein Verzeichnisder nach Sardinien verbannten Bekenner. Kallistusbefand sich nicht auf der Liste, da der Bischof seineMissetaten kannte. Marcia erlangte von Cornmodusdie Freilassung der in dem Verzeichnis Aufgeführtenund übergab die Liste einem Prister, dem EunuchenHyacinth. Dieser eilte nach Sardinien , und der Statt-halter gab allen auf der Liste verzeichneten Christendie Freiheit. Da warf sich Kallistus dem Hyacinthzu Füßen und beschwor ihn unter Tränen, auch ihnzurückzuführen. Hyacinth, gerührt, machte beim Statt-
*) Döllinger, Hippolytu3 und Kallistus, Regensburg 1853.S. 187: „Marcia, Konkubine des Kaisers Cornmodus, die eine eifrigeChristin war, und deren Einflüsse die Christen die Ruhe, welchesie unter Cornmodus genossen, vorzugsweise verdankten. AllemAnschein nach war sie in der Gemeinschaft der Kirche und wurdezu Sakramente zugelassen; sonst würde sie wohl nicht vom BischofViktor ein Verzeichnis der nach Sardinien verbannten Bekennerbegehrt und die Freilassung derselben bewirkt haben.“ Vgl. auchB. Aube, Le christianisme de Marcia, Revue archeologique XXXVII,154 ff.