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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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115
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Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 115

Nachfolgern nicht mehr als die übrigen Bewohner desRömerreichs za leiden, ja unter Philippus Arabs soruhige Tage gehabt hatten, daß die Sage aufkam, derKaiser selbst bekenne sich zum Evangelium, war dieChristenverfolgung des Deeius gefolgt. Als der Kircheder Friede wiedergegeben, schrieb Cyprian seine SchriftUber die Gefallenen, in der er die Ursache der Ver-folgung erörtert.

Der Herr, schreibt er 1 ),wollte, daß seineFamilie geprüft werde; und weil ein langer Friededie uns durch göttliche Fügung überlieferte Lehreverdorben hatte, erweckte die göttliche Strafe dendarniederliegenden und fast, um mich so auszudrücken,schlummernden Glauben. Darauf führt er die Sündenauf, in welche die Christen verfallen seien:Jedersann auf Vermehrung des väterlichen Erbguts, undvergessend, was die Gläubigen entweder zu den Zeitender Apostel früher getan hatten oder immer tunsollten, verlegte er sich, von unersättlicher Begier ent-flammt, auf die Bereicherung seines Vermögens. DenPriestern gebrach andächtige Gottesfurcht, den Dienernungeschwächter Glaube, in den Werken der Barm-herzigkeit , in den Sitten die Zucht. Entstellt warder Bart bei den Männern, geschminkt das Gesichtbei- den Frauen, geschändet waren die von GottesHänden geschaffenen Augen, die Haare durch Farbegefälscht. Schlauer Betrug täuschte die Herzen derUnbefangenen, tückischer Sinn die Brüder. Man knüpftedas Band der Ehe mit Ungläubigen, man stellte dieGlieder Christi den Heiden bloß. Man schwur nichtnur unbesonnen, sondern auch noch falsch, man ver-

b S. Caecilii Cypriani, episc. Karthag. et martyr., libri decatliol. ecclesiae unitata, de lapsis et de habitu virginuni, ed.Krabinger. Tubingae 1853, p. 62 ff.

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