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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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117
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Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 117

beides, und die ältere lateinische Übersetzung Amer-pacbs x ) sagt negotiatores non recipit et infimos putatomnium, die neueren Übersetzungen sagen non admodumprobat die Mißachtung des Handels durch dieKirche des christlichen Altertums wird durch jede derbeiden Übersetzungen ausgedrückt, und nach jedererachtet die Kirche die Kaufleute alsgeringer alsalle.

Wie ich aber schon in meiner Rede gesagt habe,soweit ging man nicht, daß man, wie die dem Chry-sostomus zugeschriebene Stelle verlangte, den Christen,der Handel trieb, aus der Kirche ausschloß. Wohlaber begann eben in der Zeit des Chrysostomus eineverschiedenartige Behandlung der Geistlichen und derLaien hinsichtlich des Handels. Bisher war beidender Handel, der, um Reichtum zu erwerben, betriebenwird, verboten, dagegen der Handel, der sich mitsolchem Gewinn, als zur Beschaffung des zum LebenUnentbehrlichen nötig ist, begnügte, erlaubt gewesen.Zwar hat sich Ambrosius dafür, daß den Geistlichenjedweder Handel verboten gewesen sei, auf den ApostelPaulus berufen * 2 ), der an Timotheus geschrieben:Nemomilitans Deo implicat se negotiis saecularibus, undsein Schüler Augustinus hat an diese Paulinische Stelledie weitere Ausführung geknüpft 3 ), daß zwar Hand-werk und Landwirtschaft, nicht aber Handel den Geist-lichen gestattet sei, weil die körperliche Arbeit denGeist nicht hindere, sich Gott hinzugeben, die mit dem

b Oratio D. Epiphanii Const. Cypr. episc. de fide catholicaetc. per Yitum Amerpachium in lat. conversa. AugustaeRhaeticae, 1548.

2 ) Ambrosius de off. ministr. I, c. 36. Migne , Patr. lat.XVI, 83.

3 ) Augustinus, de opere monaeh. c. 15. Migne , Patr. lat.XL, 561.