Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 121
Was aber unter turpe vel inbonestum negotiumzu verstehen ist, zeigen die Worte des Ambrosiusin seiner Schrift von den Pflichten der Diener derKirche x ):
„Nichts ist so unwürdig, als wenn man keine Liebezu ehrenhafter Gesinnung hat, und als wenn man durchgewohnheitsmäßiges Betreiben niedrigenSchachers von steter Gewinnsucht gequält wird.Oder ist es etwa des Menschen würdig, von Gewinn-sucht gewissermaßen zu brennen, Tag und Nacht aufdie Schmälerung fremden Vermögens zu eigenem Vor-teil bedacht zu sein, den Geist gar nicht mehr zu demGlanze ehrenhafter Gesinnung zu erheben und diesittliche Schönheit wahren Ruhms nicht mehr zu be-trachten ? “
Es lohnt nicht, die Ausführungen der Kirchen-lehrer und die Synodalbeschlüsse der folgenden Jahr-hunderte weiter zu verfolgen 2 ). Meist schließen siesich nicht nur in der Motivierung, sondern sogar imWortlaut an die im obigen vorgeführten Stellen an.Außer aus seinem Gehalt soll der Geistliche seineNahrung und Kleidung aus dem Ertrag eines gewerb-lichen Kleinbetriebs oder einer Ackerwirtschaft be-streiten, nicht aber Handel treiben. Unter Bezug-nahme auf die Väter, welche dies bereits gelehrt hätten,wird dies unzählige Male wiederholt, bis Thomas
*) De off. ministr. III, c. 9, Nr. 57. Migne, Patr. lat. XVI,170, 171. Vgl. auch ibidem II, c. 14, Nr. 67: „Es verdient höchstesLob und ist des edelsten Mannes würdig, wenn man mit syrischenGeschäftsleuten und galaaditischen Krämern die Begierde nachschmutzigem Gewinne nicht teilt: man darf eben nicht die ganzeGlückseligkeit im Gelde anfgehen lassen und sich nicht damitbegnügen, den täglichen Gewinn mit kaufmännischem Eigennutzezu berechnen.“
2 ) Vgl. dafür Thomassin a. a. 0. p. 147 ff.