Druckschrift 
Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

Die 'wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 123

Quoniam non cognovi negotiationes, introibo in potentiasDomini, und hält den Kaufleuten vor, wie sie vonHabgier erfüllt, so oft sie einen Schaden erleiden, Gott lästern, wie sie beim Anpreisen ihrer Waren lügen undfalsch schwören. Wenn der Psalmist sich glücklichpreise, weil er keinen Handel getrieben, indem diesdie Begleiterscheinungen des Handels seien, dürfen dieChristen nicht Handel treiben. Aber, läßt er einenKaufmann erwidern:

Siehe, ich habe aus der Ferne Waren dahin-gebracht, wo sie fehlten, um davon zu leben; indemich mehr fordere, als ich gegeben habe, verlange ichden Lohn meiner Arbeit, und es steht geschrieben: derArbeiter ist seines Lohnes wert. Was aber Lug, Betrugund Meineid angeht, so ist dies mein Laster, nicht aberdas Laster des Handels, und wenn ich wollte, könnteich auch ohne diese Laster Handel treiben. Wenn ichsagte: ich habe für so viel gekauft und verkaufe fürso viel, würden wahrheitsliebende Käufer nicht ab-geschreckt werden, sondern im Gegenteil herbeieilen.Also ermahne mich, nicht zu lügen, nicht zu betrügen,nicht falsch zu schwören, nicht aber mein Geschäftaufzugeben! Was soll ich denn an seiner Statt treiben?Soll ich Schuster werden? Aber sind die Schusternicht ebensolche Lügner und Meineidige? Wenn einSchuster sich verpflichtet hat, für jemand Schuhe biszu einem bestimmten Tage zu liefern, und es kommtein anderer und gibt ihm Geld, daß er ihm seine Schuhefrüher liefere, verläßt er nicht den ersten zugunstendes zweiten? Versprechen die Schuster nicht fort-während, ich werde heute arbeiten, heute fertigmachen?Dabei begehen sie fortwährend eine Menge Betrügereienbei ihrer Arbeit; sie sagen das eine und tun dasandere: aber das ist ihr Fehler und nicht der ihresGewerbes. Es ist somit etwas, was allen Arten von