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Preissteigerung eine Steigerung deines Gewinns, fürdie Hungernden bedeutet sie eine größere Gefährdungihres Lebens. Wie ein Wucherer hältst du Getreidedem Markte fern; als Verkäufer treibst du den Preisin die Höhe. . . . Der Gewinn, den du ziehst, schädigtdas gemeine Wohl.“
Blicken wir auf die dargelegten Lehren der Väterüber den Handel nunmehr zurück! Wie ihre Lehrenvom Eigentum, so stehen auch sie in vollstem Gegen-satz zu den Anschauungen, welche das Leben be-herrschten und im Rechte zum Ausdruck gelangtwaren; aber nicht nnr zu diesen; sie widersprachenauch, und zwar bewußt, den Triebfedern des wirtschaft-lichen Handelns. Funk freilich, welcher, wie wir ge-sehen haben, alle dem modernen Leben widersprechendenLehren aus der Lehre der Kirchenväter hinwegzudeutenbemüht ist, hat auch die Bezeichnung des Handelsdurch Ambrosius als schmutzige und schimpfliche Er-werbsart auf den Einfluß der antiken Verachtung desGe werbsieb ens zurückgeführt *) und so ihres spezifischpatristischen Charakters zu entkleiden gesucht. Sehrzu Unrecht; denn die Anschauungen der Väter, ein-schließlich der des Ambrosius, waren denen der heidni-schen Schriftsteller gerade entgegengesetzt. Wie Funkselbst an anderer Stelle hervorhebt 2 ), galt den Griechenund Römern der Betrieb eines Handwerks und desKleinhandels als etwas Schmutziges und des freienMannes Unwürdiges; dem Großhandel dagegen ließensie bessere Würdigung widerfahren. Bei den Kirchen-vätern aber war es gerade umgekehrt. Der ApostelPaulus hatte alle Arbeit um den Lebensunterhalt zuEhren gebracht, nicht aber die Tätigkeit, welche den
*) Funk a. a. 0. 67.J ) Ibidem 62.