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Frage auch nicht die geringste Berührung. Das möchteich hier konstatiert haben.“
Das ist gerade das Entgegengesetzte von dem, wasLeo XIII . an die brasilianischen Bischöfe schrieb. Werhat Recht, Papst oder Bischof?
Die Entwicklung von der Sklaverei zur Freiheitwird von zwei Prinzipien beherrcht, einem idealen undeinem materiellen. Das ideale ist die Vorstellung vonder natürlichen Gleichheit aller Menschen, das materielledas der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit. Es soll die-jenige Ordnung getroffen werden, welche den jeweiliggegebenen konkreten Bedürfnissen und Verhältnissenam angemessensten ist.
Der ökonomische Laie kennt nur das ersterePrinzip und schreibt ihm alles zu. In der Tat ist esdas ewige, unsterbliche, nie versiegende. Aber es istdas schwächere; sonst ließe sich angesichts einer viel-tausendjährigen Übereinstimmung hinsichtlich des idealenPrinzips die Unfreiheit niemals begreifen. Das materiellePrinzip ist das stärkere; es läßt das ideale nur in-soweit zur Geltung kommen, als es die jeweiligenkonkreten Verhältnisse gestatten, ja leider nur, soweitsie es direkt notwendig machen.
Das zeigt der Verlauf der Geschichte. Sie zeigtdie Schwäche des idealen Prinzips.
Schon das Altertum hatte anerkannt, daß dieSklaverei wider die Natur sei, da der Unterschiedzwischen dem Herrn und dem Sklaven nur ein kon-ventioneller, von Natur aber beide gleich seien. Weilwidernatürlich, beruhe das Herrentum somit auf Gewaltund sei somit widerrechtlich. Das war die Lehre derPhilosophen, welche Aristoteles , der die Sklaverei zurechtfertigen suchte, bekämpft hat 1 ). Diese Lehre ist
Politik, I, 4.